Die 7. Etappe des Weststeirischen Jakobswegs führt uns von dem majestätischen Koralpenschutzhaus bis nach Soboth, einem malerischen Bergdorf, das tief in den waldreichen Hügeln der Steiermark eingebettet ist. Diese Etappe ist nicht nur eine Herausforderung für Wanderer, sondern auch eine Reise durch die atemberaubende Natur und die reiche Kultur der Region.
Die Strecke
Die 7. Etappe erstreckt sich über eine Distanz von 17,7 km und bietet eine Vielzahl von Landschaften und Erfahrungen. Der Aufstieg beträgt 204 m, während der Abstieg mit 1078 m deutlich steiler ist. Die durchschnittliche Wanderzeit für diese Etappe liegt bei etwa 6 Stunden. Der höchste Punkt der Etappe ist das Koralpenschutzhaus auf 2045 m, während der tiefste Punkt in Soboth auf 1061 m liegt. Die beste Zeit, um diese Etappe zu bewältigen, ist zwischen Juni und Oktober, wenn das Wetter mild und die Wege frei von Schnee sind.
Wegbeschreibung
Die Etappe beginnt am Koralpenschutzhaus, einem wichtigen Punkt auf dem Jakobsweg. Von hier aus folgen wir dem Weg 505 für etwa 1,3 km, bevor wir rechts auf den Weg 560 in Richtung Jauksattel abbiegen. Der Weg führt uns über Almen und Wiesen bergab, vorbei an einem großen Stein und dem „Luckerten Felsen“ bis zum Wallfahrerkreuz Jauksattel. Es ist wichtig, auf die Wegmarkierungen zu achten, besonders im Bereich Jauksattel bis zur Dreieckhütte.
Nach dem Passieren des Wallfahrerkreuzes führt uns der Weg leicht ansteigend seitlich am Kleinalpl vorbei über den Kleinschneiderkogel und Handhab sowie dem Dreieckkogel bis zur Dreieckhütte auf 1452 m. Die Dreieckhütte bietet bei klarem Wetter einen atemberaubenden Blick auf die Süd- und Weststeiermark. Es ist jedoch zu beachten, dass die Hütte nur bis etwa den 10. September geöffnet ist, weshalb es ratsam ist, ausreichend Getränke und Proviant für die Etappe mitzunehmen.
Von der Dreieckhütte aus setzen wir unseren Weg Richtung Süden fort, folgen dem Weg 560 und den Jakobswegweisern. Wir passieren die Jagdhütte Loining und folgen schönen Waldpfaden bis zum Gasthaus Lindner. Nach etwa 10 Minuten queren wir die B 69 und erreichen das waldreiche Bergdorf Soboth mit seiner Ortskirche St. Jakob und dem Jakobihaus.
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Für Pilger und Wanderer gibt es entlang der Strecke und in Soboth verschiedene Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten. Einige der empfehlenswerten Unterkünfte sind:
Koralpen-Haus: Direkt am Jakobsweg gelegen, bietet es Zimmer und Lager an. Kontakt: +43 664 5219797 oder +43 699 10877387.
Dreieckhütte: Bietet einfache Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger und ist von Mitte Mai bis Mitte September geöffnet. Kontakt: 03460/232.
Gasthof Lindner: Befindet sich direkt am Jakobsweg, etwa 500 m vor dem Ortszentrum von Soboth. Kontakt: 03460/205, gasthaus.lindner@aon.at.
Gasthof und Frühstückspension Mörth: Direkt am Jakobsweg in Soboth, bietet Zimmer an. Kontakt: +43 (0) 664 30 20 668, +43 (0) 3460 208, gasthof.moerth@tele2.at.
Die 8. und letzte Etappe des Weststeirischen Jakobswegs führt uns von Soboth nach Lavamünd, einem Ort, der für seine landschaftliche Schönheit und seine reiche Geschichte bekannt ist. Diese Etappe ist eine Herausforderung, die uns durch dichte Wälder, über Bergstraßen und entlang idyllischer Bäche führt.
Die Strecke
Die 8. Etappe erstreckt sich über eine Distanz von 20,3 km und bietet eine Vielzahl von Herausforderungen und landschaftlichen Schönheiten. Der Aufstieg beträgt 535 m, während der Abstieg mit 1242 m deutlich steiler ist. Die durchschnittliche Wanderzeit für diese Etappe liegt bei etwa 7 Stunden. Der höchste Punkt der Etappe ist der Kreuzungspunkt Weintrattl auf 1437 m, während der tiefste Punkt in Lavamünd auf 342 m liegt. Die beste Zeit, um diese Etappe zu bewältigen, ist zwischen Mai und Oktober.
Wegbeschreibung
Bevor wir Soboth verlassen, sollten wir unsere Trink- und Proviantvorräte auffüllen, da es bis Lavamünd keine Einkehrmöglichkeiten gibt. Wir folgen dem Wegweiser 06/03A Richtung Lavamünd und beginnen unsere Wanderung auf einer asphaltierten Straße, bevor wir links in einen Waldweg abbiegen. Der Weg führt uns über die Überreste der Kappmühle, wo wir den Gaschitzbach überqueren, und weiter bis zur Laßnighube und dem Anwesen Karnitschnig.
Wir folgen dem Wiesenweg bis zum „Jagahanslkreuz“ und marschieren dann auf einer Forststraße bis hinunter zum Fuße der Staumauer des Sobother Stausees. Nach einer steilen Passage bergauf erreichen wir den Kreuzungspunkt Weintrattl, den höchsten Punkt unserer Etappe. Von hier aus folgen wir den Markierungen des Jakobswegs und der Europäischen Weitwanderwege 03/06 bergab Richtung Lavamünd.
Der Weg führt uns vorbei an verschiedenen Gehöften, wie dem Lorenzenberg, Jankitz und Rechberger, bis hin zum ehemaligen Gasthaus Strohmaier, wo wir einen Abstecher zur Kirche St. Lorenzen machen. Weiter bergab erreichen wir das Anwesen Jamnik und folgen dann dem Multererbach entlang, bis wir den bestehenden südösterreichischen Jakobsweg erreichen.
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
In Lavamünd angekommen, haben wir das Ende des weststeirischen Jakobsweges erreicht. Für die letzte Etappe gibt es in Lavamünd verschiedene Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten:
Gasthof Hüttenwirt: Bietet Zimmer an und hat einen Pilgerstempel. Kontakt: 04356/2310, info@gasthof-huettenwirt.at.
Gasthof Torwirt: Bietet Zimmer an. Kontakt: 04356/22 28, info@torwirt.at.
Posthostel Lavamünd: Bietet Zimmer an. Kontakt: +43 664 / 39 411 61 oder +43 664 / 92 158 65, www.posthostel.at.
Stempelstellen
Für die Dokumentation der Wanderung auf dem Jakobsweg gibt es in Lavamünd folgende Stempelstelle:
Gasthof Hüttenwirt in Pfarrdorf bei Lavamünd (Pilgerstempel)
Der Weststeirische Jakobsweg ist eine Reise durch die atemberaubende Natur und die reiche Kultur der Steiermark. Mit seinen vielfältigen Landschaften, von dichten Wäldern bis hin zu malerischen Bergdörfern, bietet er Wanderern und Pilgern eine unvergessliche Erfahrung. Die sorgfältige Planung und Vorbereitung, einschließlich der Reservierung von Unterkünften und der Mitnahme von ausreichend Proviant, ist für eine erfolgreiche Bewältigung der Etappen unerlässlich.
Die fünfte Etappe des Weststeirischen Jakobswegs führt uns von Modriach nach Osterwitz. Diese Etappe bietet zwei verschiedene Routen: einen direkten Weg und eine Variante, die über die Jakobskirche in Freiland führt. Beide Routen haben ihre eigenen Reize und Herausforderungen.
Der direkte Weg nach Osterwitz
Der direkte Weg nach Osterwitz ist 12 km lang und führt uns durch eine atemberaubende Landschaft. Wir beginnen unsere Wanderung am Hoiswirt in Modriach und marschieren rechts auf dem Weg 569 hinauf Richtung Schrogentor. Der Weg führt uns durch Wald- und Wiesenwege, bevor wir auf eine Asphaltstraße treffen. Wir folgen dieser Straße, bis wir zu einer Schotterstraße gelangen, auf der wir den Markierungen bis zum Schrogentor folgen.
Nach dem Schrogentor gehen wir rechts über die Wiese hinauf und verlassen diese durch ein Gatter. Wir folgen dem Weg 568 in Richtung St. Oswald/Kloster, der uns direkt bis zur Kirche in diesem Ort führt. Die Kirche ist ein idyllischer Ort, an dem wir zum Verweilen eingeladen sind. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Kirche setzen wir unsere Wanderung fort und erreichen das Gasthaus Triftweber.
Vom Gasthaus Triftweber aus haben wir die Möglichkeit, den direkten Weg nach Osterwitz zu nehmen. Wir folgen dem Wallfahrerweg (Weg 553) und passieren das Frauentaler Wallfahrerkreuz und die Christopherusstatue beim Tschreppl. Nach etwa 1,5 Stunden erreichen wir Osterwitz.
Variante über die Jakobskirche in Freiland
Die Variante über die Jakobskirche in Freiland ist 21,5 km lang und bietet uns die Möglichkeit, die Schönheiten dieses Ortes zu erleben. Wir beginnen unsere Wanderung wie beim direkten Weg und folgen dem Weg 569 bis zum Gasthaus Triftweber. Von dort aus gehen wir die Landesstraße für etwa 6 km bergab, um die Jakobskirche in Freiland zu erreichen.
Die Jakobskirche ist ein beeindruckendes Bauwerk, das uns zum Verweilen einlädt. Wir können die Schönheiten dieses Ortes genießen und uns an der Jakobsstatue erfreuen. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Kirche setzen wir unsere Wanderung fort und folgen der Landesstraße zurück, bis wir nach etwa 2 km in Richtung Osterwitz links einbiegen.
Wir pilgern weiter am Wallfahrerweg (Weg 553) und passieren das Frauentaler Wallfahrerkreuz und die Christopherusstatue beim Tschreppl. Nach etwa 1,5 Stunden erreichen wir Osterwitz.
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
In Osterwitz gibt es verschiedene Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten. Wir können im Gasthaus Triftweber einkehren oder in der Trahütter-Hütte übernachten, die sich direkt am Jakobsweg befindet. Es ist ratsam, die Quartiere frühzeitig zu reservieren, da die Kapazitäten begrenzt sind.
Die sechste Etappe des Weststeirischen Jakobswegs führt uns von Osterwitz zum Koralpenschutzhaus. Diese Etappe ist 16,7 km lang und bietet uns eine atemberaubende Aussicht auf die steirische und kärntnerische Bergwelt.
Wegbeschreibung
Wir beginnen unsere Wanderung in Osterwitz und folgen dem Weg 553 in Richtung Kirche. Wir passieren die Volksschule und das Gemeindeamt und nehmen links einen Weg durch den Wald. Wir treffen wieder auf die Straße und sehen auf der linken Seite beim Gatter die Straßenabzweigung zur Trahüttner Hütte.
Wir bleiben am landschaftlich reizvolleren Wanderweg 553 und folgen der Markierung durch Wald und Wiesen bis zur Trahütter Hütte auf 1.317m Seehöhe. Nach einer kurzen Rast marschieren wir weiter am Weg 553 in Richtung Poschalm und passieren die Jagdhütte mit dem schwarzen Herrgott.
Wir folgen dem Wegverlauf bis zum Kreuzungspunkt Wildbachsattel-Glashütten und gehen steil bergauf durch den Wald in Richtung Handhöhkreuz Weinebene. Beim Handhöhkreuz folgen wir wieder der Markierung bis wir zur Pauluskapelle bei der Passhöhe Weinebene ankommen.
Von der Weinebene folgen wir dem Weitwanderweg 505 und gehen links am GH Pichler Alm in Richtung Hühnerstütze und Grillitschhütte. Wir genießen das malerische Panorama der steirisch/kärntnerischen Bergwelt und pilgern auf der Schotterstraße entlang der Brandhöhe und des Moschkogels bis hinunter zur Abzweigung „Grillitschhütte.“
Wir halten uns links und gehen steil bergauf über die „Hühnerstütze“ (1.979m). Am Grad entlang wandernd, sehen wir rechts unten das Große Kar und vor uns erblicken wir erstmals das Gipfelkreuz vom Koralpenspeik auf 2.140m Seehöhe mit den Goldhauben.
Seitlich vorbei, entlang des Seespitzes stetig bergauf, gelangen wir zum höchsten Punkt des Jakobsweges auf 2.140m Seehöhe, dem Gipfelkreuz des Koralpenspeiks. Bei klaren Wetterverhältnissen genießen wir die prächtige Aussicht auf die steirische und kärntnerische Bergwelt.
Danach folgt nur mehr ein kurzer Abstieg am Weg 505 zum gelegenen Koralpen-Schutzhaus (1.966m). Wir haben das Ziel der 6. Etappe erreicht.
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten
Trahütter-Hütte – A-8530 Osterwitz 4, Telefon: 0664/3772288, Kontakte außerhalb der Saison Telefon: +43 3462 58 06
Der Weststeirische Jakobsweg ist ein einzigartiges Erlebnis, das uns durch eine atemberaubende Landschaft führt. Die 5. und 6. Etappe bieten uns die Möglichkeit, die Schönheiten der Steiermark und Kärntens zu erleben und uns an der Natur zu erfreuen. Wir sollten uns auf die Wanderung vorbereiten und die Quartiere frühzeitig reservieren, um sicherzustellen, dass wir eine angenehme und sichere Reise haben.
Auf dem Weststeirischen Jakobsweg: Von Bärnbach über Edelschrott nach Modriach
Die dritte und vierte Etappe des spirituellen Wanderwegs durch die Weststeiermark
Der Weststeirische Jakobsweg, ein Teilstück des europäischen Jakobswegnetzes, führt Pilger und Wanderfreunde durch die malerische Landschaft der Weststeiermark. Nachdem wir in unserem vorherigen Artikel die ersten beiden Etappen von Thal nach Bärnbach erkundet haben, widmen wir uns nun den Etappen drei und vier, die von Bärnbach über Edelschrott bis nach Modriach führen.
Dritte Etappe: Bärnbach nach Edelschrott (17 km)
Die dritte Etappe beginnt in Bärnbach, wo die berühmte Hundertwasser-Kirche mit ihren bunten Fassaden und goldenen Kuppeln einen markanten Startpunkt bildet. Von hier aus führt der Weg zunächst in Richtung Maria Lankowitz, wobei man die Stadt auf gut markierten Pfaden verlässt und allmählich in die grüne Landschaft der Weststeiermark eintaucht.
Nach etwa 4 Kilometern erreicht man Maria Lankowitz mit seiner bedeutenden Wallfahrtskirche, die der Heiligen Maria geweiht ist. Die Kirche, ein barockes Juwel aus dem 17. Jahrhundert, beherbergt eine Sammlung von Votivgaben und ist ein wichtiger spiritueller Ort für Pilger. Ein kurzer Abstecher lohnt sich, um die prachtvolle Innenausstattung und die Ruhe des Ortes zu genießen.
Von Maria Lankowitz führt der Weg weiter durch sanft ansteigende Wiesen und Felder. Die Landschaft öffnet sich immer wieder und bietet beeindruckende Ausblicke auf die umliegenden Hügel und Täler. Nach weiteren 5 Kilometern erreicht man den Hirzmann-Stausee, eine künstlich angelegte Wasserfläche, die heute ein beliebtes Naherholungsgebiet ist. Der See, umgeben von dichten Wäldern, bietet eine idyllische Kulisse für eine wohlverdiente Rast.
Nach dem Stausee wird der Anstieg merklich steiler. Auf den nächsten 4 Kilometern überwindet man einen Höhenunterschied von etwa 400 Metern. Der Weg führt durch dichte Nadelwälder, die im Sommer angenehmen Schatten spenden. Immer wieder öffnen sich Lichtungen, die spektakuläre Ausblicke auf die steirische Berglandschaft freigeben. Die Anstrengung des Aufstiegs wird durch diese Panoramen mehr als entschädigt.
Der letzte Abschnitt der Etappe führt über sanfte Hügel und durch kleine Waldstücke, bevor man schließlich nach insgesamt 17 Kilometern Edelschrott erreicht. Die Pfarrkirche von Edelschrott, dem Heiligen Nikolaus geweiht, ist ein schlichter, aber eindrucksvoller Bau, der zum Verweilen und zur Reflexion einlädt. Der Ort selbst bietet mit seinen gemütlichen Gasthöfen eine willkommene Gelegenheit zur Erholung nach dem anstrengenden Tag.
Vierte Etappe: Edelschrott nach Modriach (15 km)
Die vierte Etappe beginnt in Edelschrott und führt zunächst leicht bergauf in Richtung Norden. Der Weg verläuft anfangs entlang von Wiesen und Feldern, bevor er nach etwa 3 Kilometern in einen dichten Mischwald eintaucht. Hier steigt der Pfad kontinuierlich an und überwindet in den nächsten 5 Kilometern einen Höhenunterschied von etwa 300 Metern.
Der Waldweg ist gut ausgebaut und führt durch abwechslungsreiche Vegetation. Besonders im Frühjahr, wenn die ersten Waldblumen blühen, und im Herbst, wenn das Laub in allen Farben leuchtet, ist dieser Abschnitt ein wahres Naturerlebnis. Immer wieder öffnen sich Lichtungen, die Ausblicke auf die umliegende Bergwelt bieten.
Nach etwa 8 Kilometern erreicht man den höchsten Punkt der Etappe. Von hier aus führt der Weg leicht abwärts durch weitläufige Waldgebiete. Die Stille des Waldes, unterbrochen nur vom Gesang der Vögel und dem Rauschen des Windes in den Baumkronen, lädt zur Meditation und inneren Einkehr ein – ganz im Sinne einer Pilgerwanderung.
Die letzten 4 Kilometer führen durch eine offene Landschaft mit Wiesen und einzelnen Bauernhöfen. Die sanften Hügel der Weststeiermark breiten sich vor dem Wanderer aus und bieten ein malerisches Panorama. Schließlich erreicht man nach insgesamt 15 Kilometern das kleine Dorf Modriach.
Die Pfarrkirche von Modriach, ein schlichter Bau aus dem 15. Jahrhundert, bildet den Endpunkt dieser Etappe. Das Innere der Kirche besticht durch seine ruhige Atmosphäre und lädt zum Verweilen und zur Reflexion ein. Das Dorf selbst ist ein typisches steirisches Bauerndorf, das mit seiner authentischen Atmosphäre einen starken Kontrast zum hektischen Alltag bildet.
Unterkünfte und Verpflegung
Entlang dieser beiden Etappen finden Pilger und Wanderer verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten. In Maria Lankowitz gibt es mehrere Gasthöfe und Pensionen, die speziell auf die Bedürfnisse von Pilgern eingestellt sind. In Edelschrott stehen neben Gasthöfen auch private Zimmervermieter zur Verfügung, die oft einen Pilgertransfer zum nächsten Etappenziel anbieten.
In Modriach ist das Angebot an Unterkünften begrenzter, aber es gibt einige Privatunterkünfte und einen Gasthof, die Pilgern Obdach bieten. Es empfiehlt sich, Reservierungen im Voraus zu tätigen, besonders während der Hauptsaison von Mai bis September, da die Unterkünfte entlang des Weges begrenzt sind.
Verpflegungsmöglichkeiten gibt es in den größeren Ortschaften wie Maria Lankowitz und Edelschrott, wo mehrere Gasthäuser regionale Spezialitäten anbieten. In Modriach ist das gastronomische Angebot beschränkter, aber der örtliche Gasthof bietet herzhafte steirische Küche. Für die Strecken zwischen den Ortschaften sollten Wanderer ausreichend Wasser und Proviant mitnehmen, da es unterwegs kaum Einkehrmöglichkeiten gibt.
Praktische Hinweise
Die beste Zeit für eine Wanderung auf diesen Etappen des Weststeirischen Jakobswegs ist von April bis Oktober. In den Sommermonaten kann es sehr warm werden, daher ist ein früher Start am Morgen empfehlenswert. Im Frühjahr und Herbst sollte man auf wechselhaftes Wetter vorbereitet sein.
Festes Schuhwerk ist unerlässlich, da einige Abschnitte des Weges über unebenes Gelände führen. Auch wetterfeste Kleidung sollte im Gepäck nicht fehlen, da das Wetter in der Region schnell umschlagen kann. Ein Wanderstock kann besonders bei den steileren Anstiegen und Abstiegen eine wertvolle Hilfe sein.
Die Wege sind durchgehend gut markiert mit dem typischen Jakobsweg-Symbol, der gelben Muschel auf blauem Grund. Zusätzlich finden sich an wichtigen Kreuzungen Hinweisschilder, die den weiteren Verlauf des Weges anzeigen. Eine detaillierte Wanderkarte oder ein GPS-Gerät kann dennoch nützlich sein, besonders bei Nebel oder schlechter Sicht.
Spirituelle Dimension
Der Weststeirische Jakobsweg ist nicht nur eine Wanderroute, sondern auch ein spiritueller Pfad. Die Kirchen und Kapellen entlang des Weges laden zur Einkehr und Besinnung ein. Viele Pilger nutzen die Zeit des Wanderns für Meditation und innere Reflexion. Die Stille der Natur, besonders in den ausgedehnten Waldgebieten zwischen Edelschrott und Modriach, bietet dafür den idealen Rahmen.
Die dritte und vierte Etappe des Weststeirischen Jakobswegs führen durch eine abwechslungsreiche Landschaft, die von sanften Hügeln, dichten Wäldern und idyllischen Dörfern geprägt ist. Sie bieten sowohl für erfahrene Wanderer als auch für spirituell Suchende ein eindrucksvolles Erlebnis. Die Kombination aus körperlicher Herausforderung, kulturellen Entdeckungen und spirituellen Momenten macht diese Etappen zu einem unvergesslichen Teil des Jakobswegs durch die Steiermark.
Wer sich auf diese Etappen begibt, wird nicht nur die Schönheit der steirischen Landschaft erleben, sondern auch die Gastfreundschaft der Menschen und die reiche kulturelle Tradition dieser Region kennenlernen. Der Weg lädt ein, den Alltag hinter sich zu lassen und sich auf eine Reise zu begeben, die nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich bereichert.
Auf den Spuren der Pilger: Der Weststeirische Jakobsweg – Etappen 1 & 2
Von einem begeisterten Wanderer für das Wandermagazin
Der Weststeirische Jakobsweg zählt zu den schönsten Pilgerwegen Österreichs und führt durch die malerische Landschaft der Steiermark. Als leidenschaftlicher Wanderer durfte ich die ersten beiden Etappen dieses spirituellen Weges erkunden – eine Reise, die nicht nur die Beine, sondern auch die Seele bewegt.
Die Geschichte des Weges
Am 25. Juli 2010 feierlich eröffnet, gliedert sich der Weststeirische Jakobsweg in acht abwechslungsreiche Etappen. Der Hauptweg beginnt bei der kunstvoll von Ernst Fuchs gestalteten Jakobskirche in Thal bei Graz und führt über St. Pankrazen zur Jakobskirche in Geistthal. Alternativ kann man auch bei der Abtei in Seckau starten und über einen Anschlussweg zum Hauptweg gelangen.
Von Geistthal führt der Weg weiter über Bärnbach, Piber, Köflach, Edelschrott, Modriach, Osterwitz und die Weinebene bis nach Lavamünd in Kärnten, wo er auf den südösterreichischen Jakobsweg trifft. Die Etappen wurden so konzipiert, dass sie für durchschnittliche Wanderer gut zu bewältigen sind, mit Übernachtungsmöglichkeiten an jedem Etappenende.
Etappe 1: Thal – St. Pankrazen (20,3 km)
Der Weg beginnt
Mein Pilgerweg startet an der beeindruckenden Jakobskirche in Thal. Die von Ernst Fuchs gestaltete Kirche ist bereits ein Highlight für sich und stimmt auf die spirituelle Reise ein. Von hier führt der Weg zunächst durch den Ort, vorbei an der Raiffeisenbank und dem Musikheim, bevor er in die Eckstraße abbiegt.
Nach dem Ortsende Thal-Eck taucht der Pfad in einen ruhigen Wald ein – hier beginnt die erste Begegnung mit der Natur, die uns auf dem gesamten Jakobsweg begleiten wird. Der Weg führt bergauf zum Kapellenweg und weiter zum Jostbauer Kreuz, einem der vielen spirituellen Orte entlang des Weges.
Kulturelle Schätze am Wegesrand
Ein besonderes Highlight dieser Etappe ist das bezaubernde Schloss Plankenwarth, das sich majestätisch in die Landschaft einfügt. Die Geschichte dieses Schlosses reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als es erstmals urkundlich erwähnt wurde. Ursprünglich als Höhenburg errichtet, diente es zur Überwachung der Straße von Judendorf-Straßengel nach Sankt Oswald.
Die Burg Plankenwarth war einst Sitz bedeutender steirischer Adelsgeschlechter und ein wichtiges Glied in der Kette von Wehrburgen gegen die ins Land drängenden Türken. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Schloss mehrfach seine Besitzer, darunter die Herren von Plankenwarth, die Timmersdorfer, die Herren von Ungnad und die Familie Stürgkh. Besonders interessant ist die Ludwigsburg, die im 16. Jahrhundert von Ludwig Stürgkh errichtet wurde und später als Vorburg und Wirtschaftshof diente.
Im Jahr 1754 wurde die Burg unter Karl Leopold von Herberstein zu einem barocken Schloss umgebaut. Heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz und beherbergt eine Schlossschenke sowie Ausstellungsräume. Die Anlage ähnelt einem Trapez mit bis zu drei Meter dicken Mauern und verfügt über einen Rundturm, einen halbrunden Turm und einen viereckigen Bergfried. Der dreieckige Innenhof weist im Stil der Spätrenaissance errichtete Säulenarkaden auf.
Nach einer Stärkung im Gasthaus Binderwirt geht es weiter zur Kirche St. Oswald bei Plankenwarth auf 550 m Seehöhe.
In Stiwoll lohnt sich unbedingt ein Besuch der spätromanischen Kirche. Zu ihren Schätzen gehören die Barbaraglocke, eine der ältesten Glocken der Steiermark, das Fresko des Hl. Christopherus an der Nordseite, der historische Taufstein und das tiefer gelegte Skelett vor dem Altar, das vermutlich vom Stifter der ersten Kapelle stammt – ein faszinierendes Zeugnis mittelalterlicher Geschichte.
Naturerlebnis und Ausblicke
Der Weg führt weiter durch den Stiwollgraben und schließlich bergauf nach St. Pankrazen/Gschnaidt, dem Ziel der ersten Etappe. Mit 581 Höhenmetern im Aufstieg und 281 im Abstieg ist diese Etappe moderat anspruchsvoll, belohnt aber mit wunderschönen Ausblicken auf die weststeirische Hügellandschaft.
Etappe 2: St. Pankrazen – Bärnbach (26,6 km)
Durch Wald und Wiesen
Die zweite Etappe des Jakobsweg beginnt in St. Pankrazen und führt zunächst entlang einer asphaltierten Straße in Richtung Geistthal. Nach etwa 1,4 km biegt der Weg rechts ab, vorbei an einem Transformator, und führt durch den Wald zum Kohlbauerkreuz. Kurz vor dem Bauernhof Kesslmeixner geht es links in Richtung Wald, wo man den Markierungen 563 über Wald- und Wiesenwege bergab folgt, bis man zur Landesstraße gelangt.
Ein kurzer Marsch auf der Landesstraße führt zur Jakobskirche in Geistthal, deren erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1245 zurückgeht – ein weiterer historischer Schatz am Wegesrand.
Höhepunkte und Panoramen
Nach der Kirche Geistthal biegt der Weg links auf den Römaskogel ein und führt bergauf mit atemberaubenden Ausblicken auf die weststeirische Hügellandschaft. Der Weg führt weiter zum Fürstaller Kreuz und dann über den Weg 538 A zum Anwesen Wilhelm in der Gemeinde Kohlschwarz.
Ein besonderes Highlight dieser Etappe ist der erste Blick übers Kainachtal, der sich beim Anwesen Wilhelm eröffnet. Bei klarer Sicht kann man sogar bis zur Koralpe mit der markanten Goldhaube sehen. Der Weg führt weiter über Wiesen- und Waldwege durch die Lipizzanerheimat, vorbei an der Raudnerkapelle bis zum Kreuzungspunkt Luckner auf 630 m.
Ankunft in Bärnbach und die Hundertwasserkirche
Von Hochtregist aus geht es bergab in Richtung Bärnbach. Auf der rechten Seite passiert man das Stölzle Glas-Center mit seinem sehenswerten Glasmuseum und Ausstellungszentrum – ein Zeugnis der regionalen Handwerkskunst. Nach Überquerung der Brücke der Voitsbergerstraße erreicht man das Zentrum von Bärnbach und schließlich die St. Barbara-Kirche, das Ziel der zweiten Etappe.
Die St. Barbara-Kirche in Bärnbach ist ein wahres Juwel und ein Highlight für jeden Pilger. Ursprünglich in den 1950er Jahren erbaut, wurde sie in den Jahren 1987/88 vom berühmten österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser zu einem farbenfrohen Kunstwerk umgestaltet. Die Kirche, die der Heiligen Barbara, der Schutzheiligen aller Bergleute, geweiht ist, spiegelt die Geschichte der Region als Zentrum des Kohle-Bergbaus wider.
Hundertwasser verwandelte die ursprünglich schlichte Kirche in ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk. Die Fassade ist mit bunten Keramikmosaiken verziert, das Dach bunt gestaltet und mit vergoldeten Kugeln und einer Turmzwiebel gekrönt. Besonders bemerkenswert ist der Prozessionsweg rund um die Kirche, der ganz im Stil Hundertwassers unregelmäßig und wellig geformt ist und von zwölf Torbögen gesäumt wird. Diese symbolisieren die zwölf Weltreligionen und setzen mit deren Symbolen ein Zeichen für Ökumene, Dialog und Toleranz.
Interessanterweise verzichtete Hundertwasser auf ein Honorar für seine Arbeit und bezahlte sogar die erste Vergoldung des Kirchturmdaches selbst. Der eher schlichte Innenraum der Kirche lädt zur Stille und zum Gebet ein und zeigt Werke heimischer Künstler. Bei einer Kirchenführung erfährt man mehr über die reiche Symbolik und die Entstehung dieses einzigartigen Kunstwerks.
Wissenswertes zur Region
Die Lipizzanerheimat
Die Lipizzanerheimat, durch die der Weststeirische Jakobsweg führt, vereint auf einzigartige Weise Tradition und Moderne. Weltbekannte Künstler haben hier ihre Spuren hinterlassen: Friedensreich Hundertwasser gestaltete die St. Barbarakirche und Prof. Ernst Fuchs den Mosesbrunnen in Bärnbach.
Ein absolutes Highlight der Region ist das Lipizzanergestüt Piber, das nur einen Katzensprung von Bärnbach entfernt liegt. Seit 1920 ist Piber der Geburtsort der berühmten Lipizzanerhengste der Spanischen Hofreitschule in Wien. Das Gestüt liegt in der sanften Hügellandschaft der Weststeiermark und bietet Besuchern einen faszinierenden Einblick in die Welt der edlen weißen Pferde.
Die Geschichte des Gestüts reicht bis ins Jahr 1798 zurück, als beim Schloss Piber, einem ehemaligen Kloster des Stiftes St. Lambrecht, ein Gestüt zur Zucht von militärischen Pferden eingerichtet wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1920, wurde die Zucht der Lipizzaner, die bis dahin im Gestüt Lipizza in der Krain (heute Lipica in Slowenien) beheimatet war, nach Piber verlegt.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Pferde nach Hostau (heute Hostouň in Tschechien) gebracht. Nach Kriegsende bestand die Gefahr, dass die Zuchtpferde in sowjetische Hände fallen würden. Der damalige Gestütstierarzt überzeugte den amerikanischen General George S. Patton, die Pferde im Rahmen der „Operation Cowboy“ nach Oberösterreich in Sicherheit zu bringen. Erst 1952 kehrten die Pferde nach Piber zurück.
Das Lipizzanergestüt Piber ist weltweit das einzige, in dem Stuten aller 17 klassischen Stutenfamilien vertreten sind. Zum Gestüt gehören nicht nur Stallungen, sondern auch ausgedehnte Weide- und Almflächen. Jährlich findet ein traditioneller Almabtrieb statt, bei dem die Pferde zu Fuß von den bis zu 25 km entfernten Almen zurückkehren, gefolgt von der traditionellen Pferdesegnung in Maria Lankowitz.
Das Wissen um die Lipizzanerzucht wurde 2016 von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich und 2022 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen – eine Anerkennung der kulturellen Bedeutung dieser Tradition.
Besucher können im Gestüt die historischen Stallungen und Koppeln besichtigen, das imposante Barockschloss erkunden und im angeschlossenen Kutschenmuseum historische Schaustücke aus der Gründungszeit der Lipizzanerzucht bewundern. Geführte Gestütsbesichtigungen, Kutschenfahrten und Almführungen bieten einen lebendigen Einblick in die Welt der Lipizzaner.
Weitere Sehenswürdigkeiten der Region
Für Erholungssuchende bietet die Therme NOVA in Köflach Entspannung, während der Hirzmann Stausee, der Packer Stausee, der Sobother Stausee, die Freizeitinsel Piberstein und das Schlossbad Bärnbach für Abkühlung sorgen.
Das Stölzle Glas-Center in Bärnbach mit seinem Glasmuseum und Ausstellungszentrum ist ebenfalls einen Besuch wert. Die Geschichte der Glaserzeugung ist eng mit dem Bergbau der Region verbunden und bietet einen interessanten Einblick in dieses traditionelle Handwerk.
Für Aktivurlauber bietet die Region zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern, Radfahren und für andere Outdoor-Aktivitäten. Der Kletterpark Piber mit über 60 Stationen auf sieben Parcours ist ein besonderes Highlight für Abenteuerlustige.
Praktische Tipps für Pilger
An jedem Etappenziel und bei jeder Jakobskirche entlang des Weges findet sich ein Pilgerstein, der die noch zu gehenden Kilometer bis zum Ziel in Santiago de Compostela anzeigt. Bei den „Pilgerkastln“ am Jakobsweg haben Wanderer die Möglichkeit, ihre Gedanken und Erlebnisse in einem Buch niederzuschreiben – eine schöne Tradition, die zum Innehalten einlädt.
Für den Pilgerpass, der für einen Unkostenbeitrag von fünf Euro erhältlich ist, kann man sich an den Verein zur Förderung der Steirischen Jakobswege wenden. Stempelstellen für den Pass finden sich an zahlreichen Orten entlang des Weges, darunter Pfarrämter, Gasthöfe und private Unterkünfte.
Die beste Reisezeit für den Weststeirischen Jakobsweg ist von März bis November. In den Sommermonaten sollte man ausreichend Sonnenschutz und genügend Wasser mitnehmen, da einige Abschnitte wenig Schatten bieten. Im Frühjahr und Herbst empfiehlt sich wetterfeste Kleidung, da das Wetter in der Region wechselhaft sein kann.
Für die Anreise zum Startpunkt in Thal bei Graz kann man öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Mit dem Bus Nr. 85 vom Hauptbahnhof in Graz fährt man bis nach Graz Gösting (Endstation), steigt dort in den Bus Nr. 48 um und fährt bis zur Haltestelle Thal-Kirchberg. Von dort führt eine kleine steile Straße (ca. 300 m) bergauf zur Jakobskirche in Thal.
Fazit
Der Weststeirische Jakobsweg ist mehr als nur eine Wanderroute – er ist eine Reise zu sich selbst, gespickt mit kulturellen Schätzen, atemberaubenden Landschaften und herzlicher Gastfreundschaft. Die ersten beiden Etappen geben einen wunderbaren Vorgeschmack auf das, was Pilger auf dem gesamten Weg erwartet: eine perfekte Mischung aus spirituellem Erlebnis, kultureller Bereicherung und naturnahem Wandergenuss in einer der schönsten Regionen Österreichs.
Die Kombination aus historischen Burgen und Schlössern, kunstvoll gestalteten Kirchen, dem weltberühmten Lipizzanergestüt und der malerischen Landschaft macht den Weststeirischen Jakobsweg zu einem einzigartigen Erlebnis für Pilger und Wanderer gleichermaßen. Jeder Schritt auf diesem Weg ist nicht nur eine Bewegung im Raum, sondern auch eine Reise durch die Zeit und in die eigene Seele – ganz im Sinne des wahren Pilgergedankens.
Schilcher-Museums-Tour: Eine Wanderung durch das flüssige Kulturerbe der Weststeiermark
Teil 1: Auf den Spuren des rosaroten Goldes
Einführung: Der Schilcher – mehr als nur ein Wein
In der sanften Hügellandschaft der Weststeiermark gedeiht ein Schatz, der wie kein anderer die Identität dieser Region verkörpert: der Schilcher. Dieser charakteristische Roséwein, ausschließlich aus der autochthonen Blauen Wildbacher Traube gekeltert, ist nicht nur ein Getränk, sondern ein kulturelles Erbe, das Generationen von Winzern geprägt hat. Seine leuchtend rosarote Farbe, die an Zwiebelschalen erinnert, und sein unverwechselbarer fruchtig-säuerlicher Geschmack machen ihn zu einem einzigartigen Botschafter der steirischen Weinkultur.
„Der Schilcher ist wie die Steirer selbst“, schmunzelt Franz Hiden, ein alteingesessener Winzer aus der Region, „anfangs vielleicht etwas sauer und kantig, aber mit der Zeit entfaltet er einen Charakter, den man nie wieder vergisst.“ Diese Charakterisierung trifft den Nagel auf den Kopf, denn der Schilcher ist tatsächlich ein Wein mit Ecken und Kanten, der polarisiert und gerade deshalb so geliebt wird.
Die Schilcher-Museums-Tour, die durch die malerische Landschaft der Weststeiermark führt, ist mehr als nur eine Wanderung – sie ist eine Zeitreise durch Jahrhunderte weinbäuerlicher Tradition, ein sinnliches Erlebnis für Gaumen und Augen und eine Begegnung mit Menschen, die ihr Leben dem rosaroten Gold verschrieben haben.
Der Kirchplatz von Eibiswald – Startpunkt einer vinophilen Entdeckungsreise
Unser Ausgangspunkt ist der Kirchplatz von Eibiswald, einem malerischen Marktflecken, der seit dem Mittelalter ein wichtiges Zentrum der Region ist. Die imposante Pfarrkirche „Maria in Dorn“, deren Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, dominiert den Platz mit ihrem barocken Turm. Bereits hier spürt man die tiefe Verbindung zwischen Glaube und Weinbau, die in der Steiermark seit jeher besteht. Nicht umsonst wird der Wein in der christlichen Tradition als „Blut Christi“ bezeichnet, und zahlreiche Heilige wie Urban, der Schutzpatron der Winzer, oder Johannes der Täufer sind eng mit dem Weinbau verbunden.
Bevor wir aufbrechen, werfen wir einen Blick auf die Informationstafel, die den Verlauf der Tour beschreibt. Die gelben Schilcherglas-Markierungen werden uns auf dem gesamten Weg begleiten – ein passendes Symbol für eine Route, die ganz im Zeichen des Weines steht.
„Die Tour ist etwa 14 Kilometer lang und führt durch verschiedene Höhenlagen“, erklärt Maria Krenn vom örtlichen Tourismusbüro. „Man sollte etwa viereinhalb Stunden reine Gehzeit einplanen, aber mit den Besichtigungen und Verkostungen wird es ein ganzer Tag. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, und natürlich sollte man nicht zu viel vom Schilcher kosten, wenn man noch wandern möchte“, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu.
Von Eibiswald nach Feisternitz – Durch Wiesen und Wälder
Wir verlassen den Kirchplatz und gehen hinter der Kirche vorbei an der Volksschule. Der Weg führt uns rechts über die Römerbrücke – ein Hinweis auf die lange Besiedlungsgeschichte der Region, denn bereits die Römer brachten den Weinbau in die Steiermark. Vorbei am Altenheim biegen wir rechts ab und folgen einem ansteigenden Wiesen- und Waldweg.
Die Landschaft öffnet sich, und wir genießen erste Ausblicke auf die sanften Hügel der Weststeiermark, die wie grüne Wellen bis zum Horizont rollen. Zwischen den Hügeln leuchten immer wieder die charakteristischen Weingärten hervor, in denen die Blaue Wildbacher Traube gedeiht. Diese alte Rebsorte stellt besondere Ansprüche an Boden und Klima und fühlt sich in den steilen Lagen der Weststeiermark besonders wohl.
„Die Blaue Wildbacher ist eine Diva unter den Rebsorten“, erklärt Weinbauer Josef Glirsch, dessen Hof wir später besuchen werden. „Sie braucht viel Sonne, aber nicht zu viel Hitze, gute Drainage, aber ausreichend Wasser, und sie ist anfällig für verschiedene Pilzkrankheiten. Aber wenn alles passt, belohnt sie uns mit Trauben, die einen unvergleichlichen Wein ergeben.“
Nach etwa einer Stunde Wanderung erreichen wir das Dorf Feisternitz, ein typisches weststeirisches Bauerndorf mit verstreut liegenden Höfen und einer kleinen Kapelle im Zentrum. Wir durchqueren das Dorf und folgen weiterhin der Markierung „Gelbes Schilcherglas“, die uns rechts über angenehme Wald- und Wiesenwege auf den Feisternitzberg führt.
Das Bauernmuseum Lateinberg – Lebendige Geschichte des Landlebens
Weiter ansteigend erreichen wir nach etwa zwei Stunden Gehzeit das „Bauernmuseum Lateinberg“ – unsere erste kulturelle Station auf dieser Entdeckungsreise. Das Museum ist in einem traditionellen Bauernhof untergebracht, der liebevoll restauriert wurde und einen authentischen Einblick in das bäuerliche Leben vergangener Zeiten bietet.
„Unser Museum zeigt nicht nur die Geschichte des Weinbaus, sondern das gesamte Spektrum bäuerlichen Lebens in der Weststeiermark“. „Vom Ackerbau über die Viehzucht bis hin zur Haushaltsführung – all diese Aspekte waren eng miteinander verwoben und bildeten die Grundlage für die Selbstversorgung der Höfe.“
In den verschiedenen Räumen des Museums sind landwirtschaftliche Geräte, Haushaltsutensilien, Möbel und Kleidungsstücke ausgestellt, die das harte, aber auch erfüllende Leben auf dem Land dokumentieren. Besonders beeindruckend ist die Sammlung von Weinbaugeräten, die die Entwicklung der Weinherstellung über die Jahrhunderte veranschaulicht – von einfachen Holzpressen bis hin zu den ersten mechanischen Keltern.
Ein Highlight ist die Rekonstruktion einer traditionellen „Buschenschank-Stube“, in der früher der selbst erzeugte Wein ausgeschenkt wurde. Die rustikalen Holztische, die einfachen Bänke und der große Kachelofen vermitteln die gemütliche Atmosphäre, in der Bauern und Dorfbewohner zusammenkamen, um bei einem Glas Schilcher den Tag ausklingen zu lassen.
„Die Buschenschank war nicht nur ein Ort des Weingenusses, sondern auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt“, erläutert Pratter. „Hier wurden Neuigkeiten ausgetauscht, Geschäfte besprochen, Hochzeiten arrangiert und politische Diskussionen geführt. Die Buschenschank war das Herz des dörflichen Lebens.“
Nach der Besichtigung des Museums stärken wir uns mit einer traditionellen steirischen Jause – Selchfleisch, Käse, frisches Brot und natürlich ein Glas Schilcher. Der fruchtig-säuerliche Wein harmoniert perfekt mit den deftigen Speisen und erfrischt nach dem ersten Teil unserer Wanderung.
Teil 2: Höhenwege und Kräutergärten
Panoramablicke vom Aussichtsturm St. Pongratzen
Gestärkt setzen wir unsere Wanderung fort. Wir gehen ein Stück zurück und folgen dann der Höhenstraße, die uns spektakuläre Ausblicke über die Weststeiermark bietet. An klaren Tagen reicht der Blick bis zur Koralpe im Westen und zum Schöckl bei Graz im Osten – ein Panorama, das die Mühen des Aufstiegs mehr als belohnt.
Unser nächstes Ziel ist der Aussichtsturm St. Pongratzen, der auf einer Anhöhe thront und einen 360-Grad-Rundblick ermöglicht. Der hölzerne Turm, benannt nach dem nahegelegenen Kirchlein St. Pongratzen, wurde in den 1990er Jahren errichtet und ist seitdem ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen.
„Von hier oben kann man die gesamte Weinbauregion überblicken“, schwärmt Wanderführerin Elisabeth Maier. „Man sieht die unterschiedlichen Lagen der Weingärten, die verschiedenen Ausrichtungen der Hänge und kann verstehen, warum der Schilcher je nach Standort so unterschiedlich schmecken kann. Die Südlagen bringen vollere, reifere Weine hervor, während die höheren, kühleren Lagen für frischere, säurebetontere Schilcher sorgen.“
Tatsächlich ist die Landschaft wie ein Mosaik aus verschiedenen Grüntönen, durchsetzt mit den charakteristischen Rebenzeilen, die sich an die Hänge schmiegen. Dazwischen liegen verstreut kleine Dörfer, einzelne Höfe und immer wieder die typischen „Klapotetz“ – hölzerne Windmühlen, die mit ihrem rhythmischen Klappern Vögel von den reifenden Trauben fernhalten sollen.
„Der Klapotetz ist mehr als nur ein Vogelschreck“, erklärt Maier. „Er ist ein Symbol der steirischen Weinkultur, ein Wahrzeichen, das in keinem Weingarten fehlen darf. Wenn im Hochsommer die ersten Klapotetz aufgestellt werden, weiß jeder: Jetzt beginnt die Zeit der Traubenreife, und bald ist Lesezeit.“
Der Kräutergarten Pratter – Aromatische Begleiter des Weins
Nach dem Abstieg vom Aussichtsturm führt uns der Weg weiter entlang der Höhenstraße zum Kräutergarten Pratter – einem duftenden Paradies, das die Vielfalt heimischer und exotischer Kräuter präsentiert. Auf einer Fläche von etwa einem Hektar gedeihen hier über 200 verschiedene Kräuterarten, sorgfältig nach ihren Verwendungszwecken gruppiert.
Kräuterexpertin Maria Pratter empfängt uns am Eingang des Gartens und führt uns durch die duftenden Beete. „Kräuter und Wein haben eine lange gemeinsame Geschichte“, erklärt sie. „Viele Kräuter finden sich in den Aromen des Weins wieder – denken Sie an die Zitrusnoten im Schilcher, die an Zitronenmelisse erinnern, oder die würzigen Nuancen, die an Thymian und Rosmarin denken lassen.“
In verschiedenen Themengärten werden die Kräuter nach ihren Verwendungszwecken präsentiert: Heilkräuter, Küchenkräuter, Teekräuter und sogar ein eigener „Weinkräutergarten“, in dem Pflanzen wachsen, deren Aromen sich besonders gut mit Wein ergänzen.
„Früher wurden Kräuter auch direkt dem Wein zugesetzt, um ihn haltbarer zu machen oder seinen Geschmack zu verbessern“, berichtet Pratter. „Wermut, Salbei, Rosmarin – all diese Kräuter haben antiseptische Eigenschaften, die den Wein vor dem Verderben schützten. Heute wissen wir natürlich mehr über die Weinbereitung und brauchen diese Zusätze nicht mehr, aber die aromatische Verbindung zwischen Kräutern und Wein bleibt bestehen.“
Im kleinen Hofladen können Besucher getrocknete Kräuter, Kräutersalze, Tees und selbst hergestellte Kräuterliköre erwerben – perfekte Souvenirs, die die Erinnerung an diesen duftenden Garten bewahren.
Die Bauernschmiede Woch – Handwerkskunst für den Weinbau
Unsere Wanderung führt uns weiter zum Weinbauern Woch, wo wir den Schlüssel für sein Museum „Bauernschmiede“ abholen können. Die Schmiede, die seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz ist, spielte eine wichtige Rolle für die Weinbauern der Region, denn hier wurden die speziellen Werkzeuge hergestellt und repariert, die für den Weinbau unerlässlich waren.
„Mein Urgroßvater war der Schmied des Dorfes“, erzählt Alois Woch stolz, während er uns durch die historische Schmiede führt. „Er fertigte Rebmesser, Hauen, Pflugscharen und all die anderen Werkzeuge, die die Bauern für ihre Arbeit brauchten. Die Schmiede war das technologische Zentrum des Dorfes, vergleichbar mit einer Autowerkstatt heute.“
Die Schmiede ist noch vollständig eingerichtet, mit Esse, Blasebalg, Amboss und zahlreichen Werkzeugen. An den Wänden hängen Hufeisen, Zangen, Hämmer und spezialisierte Werkzeuge für den Weinbau. Besonders interessant sind die verschiedenen Rebmesser, die je nach Region und Verwendungszweck unterschiedliche Formen aufweisen.
„Ein gutes Rebmesser war für den Winzer so wichtig wie das tägliche Brot“, erklärt Woch. „Mit ihm wurden die Reben geschnitten, die Trauben geerntet und sogar kleine Reparaturen an den Rebstöcken durchgeführt. Jeder Winzer hatte sein persönliches Rebmesser, das oft ein Leben lang hielt und manchmal sogar vererbt wurde.“
Neben der Schmiede beherbergt das Museum auch eine Sammlung historischer Dokumente, die die wirtschaftliche und soziale Bedeutung des Weinbaus für die Region belegen. Alte Rechnungsbücher, Verträge und Fotografien erzählen von den Höhen und Tiefen des Winzerlebens, von guten Erntejahren und Katastrophen wie der Reblausplage, die Ende des 19. Jahrhunderts fast den gesamten europäischen Weinbau vernichtete.
„Die Reblaus war eine Katastrophe für unsere Region“, berichtet Woch. „Viele Winzer verloren ihre Existenzgrundlage und mussten auswandern oder sich andere Erwerbsquellen suchen. Nur durch die Einführung resistenter Unterlagsreben konnte der Weinbau gerettet werden – eine technologische Revolution, die das Gesicht des Weinbaus für immer veränderte.“
Teil 3: Weinkultur und Heimkehr
Das Weinbauernmuseum Glirsch – Vom Rebstock zur Flasche
Nach etwa drei Stunden Gehzeit erreichen wir die Buschenschenke Glirsch mit dem angeschlossenen „Weinbauernmuseum“ – dem Höhepunkt unserer Schilcher-Museums-Tour. Die Familie Glirsch betreibt seit Generationen Weinbau und hat in ihrem Museum den gesamten Prozess der Weinherstellung dokumentiert, vom Anbau der Reben bis zur Abfüllung des fertigen Weins.
„Unser Museum zeigt die Entwicklung des Weinbaus in der Weststeiermark über die letzten 200 Jahre“, erklärt Josef Glirsch, der das Museum gemeinsam mit seiner Frau Maria betreibt. „Wir haben alte Geräte gesammelt, restauriert und in einen funktionalen Zusammenhang gestellt, sodass Besucher den gesamten Prozess der Weinherstellung nachvollziehen können.“
Das Museum ist in verschiedene Bereiche gegliedert, die den Jahreskreis des Weinbaus abbilden. Im ersten Raum geht es um die Arbeit im Weingarten – vom Rebschnitt im Winter über das „Ausgeizen“ (Entfernen überflüssiger Triebe) im Frühjahr bis hin zur Lese im Herbst. Historische Werkzeuge wie Rebscheren, Hauen und Spritzgeräte veranschaulichen die mühsame Handarbeit, die der Weinbau erforderte.
„Früher war der Weinbau reine Handarbeit“, betont Glirsch. „Jeder Rebstock wurde einzeln gepflegt, jede Traube von Hand gelesen. Heute haben wir natürlich moderne Maschinen, die viele Arbeitsschritte erleichtern, aber die grundlegenden Prinzipien sind die gleichen geblieben: Der Wein wird im Weingarten gemacht, nicht im Keller.“
Der zweite Bereich des Museums widmet sich der Kelterung – dem Prozess, bei dem aus den Trauben Most und schließlich Wein wird. Hier stehen alte Pressen, Mahlwerke und Gärbehälter, die die technologische Entwicklung der Weinbereitung dokumentieren.
„Die Kelterung des Schilchers hat ihre eigenen Regeln“, erklärt Glirsch. „Anders als bei Weißweinen, wo die Trauben sofort gepresst werden, oder bei Rotweinen, wo die Maische lange auf der Schale vergärt, liegt die Maische beim Schilcher nur kurz auf der Schale – gerade lang genug, um die charakteristische rosarote Farbe zu extrahieren, aber nicht so lang, dass zu viele Tannine in den Wein übergehen.“
Der dritte Bereich des Museums befasst sich mit der Lagerung und Reifung des Weins. Hier stehen alte Holzfässer neben modernen Edelstahltanks – ein Symbol für die Verbindung von Tradition und Innovation, die den modernen Weinbau prägt.
„Der Schilcher wurde traditionell in Holzfässern ausgebaut, was ihm zusätzliche Aromen verlieh“, erläutert Glirsch. „Heute verwenden wir für die meisten Schilcher Edelstahltanks, die eine kontrollierte Gärung bei niedrigen Temperaturen ermöglichen und so die Fruchtaromen besser bewahren. Aber einige Winzer experimentieren auch mit Holzfässern für spezielle Schilcher-Editionen.“
Nach der Museumsführung lädt uns Familie Glirsch zu einer Verkostung in ihre Buschenschenke ein. In der gemütlichen Stube mit Blick auf die Weingärten probieren wir verschiedene Schilcher-Varianten – vom klassischen trockenen Schilcher über den halbtrockenen „Schilcherland“ bis hin zum prickelnden Schilcher-Frizzante und dem edelsüßen Schilcher-Eiswein.
„Der Schilcher ist viel vielseitiger, als viele denken“, betont Maria Glirsch, während sie uns einschenkt. „Er kann jung und frisch sein, aber auch reif und komplex. Er kann trocken und herb sein oder lieblich und süß. Und er passt zu vielen Speisen – von der deftigen Brettljause über Fischgerichte bis hin zu süßen Desserts.“
Zur Verkostung reicht Familie Glirsch eine traditionelle steirische Jause – hausgemachtes Brot, Selchfleisch, Käse, frischen Kren (Meerrettich) und natürlich das berühmte Kürbiskernöl, das auf die Eierspeis (Rührei) geträufelt wird. Die Kombination aus herzhaften Speisen und dem frischen, säurebetonten Schilcher ist perfekt und zeigt, warum dieser Wein so tief in der regionalen Küche verwurzelt ist.
Der Rückweg – Durch Kapellen und Gasthäuser
Gestärkt und mit neuen Eindrücken setzen wir unsere Wanderung fort. Im Hof Glirsch geht es rechts über einen Wiesen- und Waldweg hinunter, bis wir zur Straße gelangen. Wir folgen der Markierung „Gelbes Glas“ nach links und kommen an der Kohlweißkapelle vorbei – einem kleinen sakralen Bauwerk, das die tiefe Religiosität der Weinbauern bezeugt.
„Die Kapellen in den Weinbergen sind Ausdruck des Gottvertrauens der Winzer“, erklärt unsere Wanderführerin. „Der Weinbau ist stark vom Wetter abhängig, und vor der modernen Meteorologie waren die Bauern den Naturgewalten ausgeliefert. Die Kapellen boten einen Ort des Gebets für gutes Wetter und reiche Ernte.“
Weiter führt uns der Weg zum Gasthaus Weiß und nach einem Kreuz links zum Gasthaus Bartlschneider – traditionelle Einkehrmöglichkeiten, die seit Generationen Wanderer und Einheimische bewirten. Der letzte Abschnitt unserer Tour führt steil über eine Wiese, vorbei an einem idyllischen Fischteich. Rechts haltend folgen wir der Straße entlang zwischen dem Gasthof Kloepferkeller und der Weinpresse zurück zum Kirchplatz von Eibiswald – unserem Ausgangspunkt.
Der Kloepferkeller, benannt nach dem steirischen Heimatdichter Hans Kloepfer (1867-1944), ist ein weiteres kulturelles Highlight am Wegesrand. Kloepfer, der in Eibiswald geboren wurde, hat in seinen Mundartgedichten die Landschaft und das Leben der Menschen in der Weststeiermark verewigt. Sein bekanntestes Werk „Steirisches Wörterbuch“ ist eine Fundgrube für den steirischen Dialekt und enthält zahlreiche Begriffe aus dem Weinbau.
Die Weinpresse schließlich, ein monumentales Kunstwerk am Ortseingang von Eibiswald, symbolisiert die zentrale Bedeutung des Weinbaus für die Identität der Region. Die überdimensionale Holzpresse erinnert an die traditionelle Methode der Weinherstellung und ist gleichzeitig ein modernes Wahrzeichen, das Tradition und Zukunft verbindet.
Das Weitwandermuseum im Lerchhaus – Ein zusätzliches Highlight
Ein besonderer Tipp für Wanderbegeisterte ist das Weitwandermuseum im Lerchhaus, das wir auf unserem Rückweg besuchen. Dieses einzigartige Museum dokumentiert die Geschichte des Weitwanderns in Österreich und beherbergt eine beeindruckende Sammlung von Wanderkarten, historischer Ausrüstung und Berichten berühmter Weitwanderer.
„Das Weitwandern hat in der Steiermark eine lange Tradition“, erklärt Museumsleiter Peter Lerch. „Die ersten markierten Weitwanderwege entstanden hier bereits Ende des 19. Jahrhunderts, als der Alpinismus populär wurde. Heute durchziehen zahlreiche Weitwanderwege die Steiermark, darunter der Südalpenweg und der Mariazellerweg.“
Das Museum zeigt die Entwicklung der Wanderausrüstung vom einfachen Wanderstock und Lodenmantel bis hin zu modernen Funktionsmaterialien und GPS-Geräten. Besonders interessant sind die persönlichen Berichte von Weitwanderern, die von ihren Erlebnissen, Begegnungen und Herausforderungen auf den langen Strecken erzählen.
„Weitwandern ist mehr als nur eine sportliche Aktivität“, betont Lerch. „Es ist eine Lebenseinstellung, eine Art, die Welt zu erfahren und mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Viele Weitwanderer berichten von tiefgreifenden Erfahrungen, die ihr Leben verändert haben.“
Teil 4: Die Seele des Schilcherlandes
Der Schilcher – Ein Wein mit Geschichte und Zukunft
Die Schilcher-Museums-Tour hat uns nicht nur durch eine malerische Landschaft geführt, sondern auch tiefe Einblicke in die Kultur und Geschichte des Schilcherweins vermittelt. Dieser charakteristische Wein, der nur in der Weststeiermark aus der Blauen Wildbacher Traube gekeltert wird, ist mehr als nur ein Getränk – er ist ein kulturelles Erbe, das die Identität der Region prägt.
Die Geschichte des Schilchers reicht weit zurück. Bereits im 16. Jahrhundert wird ein rosafarbener Wein aus der Region erwähnt, der vermutlich ein Vorläufer des heutigen Schilchers war. Der Name „Schilcher“ leitet sich vom mittelhochdeutschen „schilhen“ ab, was „schillern“ oder „die Farbe wechseln“ bedeutet – ein Hinweis auf die charakteristische rosarote Farbe des Weins, die je nach Lichteinfall unterschiedlich schimmert.
Lange Zeit war der Schilcher ein einfacher Bauernwein, der hauptsächlich für den Eigenverbrauch oder den lokalen Markt produziert wurde. Erst im 20. Jahrhundert, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, begann sein Aufstieg zu einem anerkannten Qualitätswein. Die Gründung der „Steirischen Weinstraße“ in den 1950er Jahren und die zunehmende Bedeutung des Tourismus trugen dazu bei, den Schilcher über die Grenzen der Steiermark hinaus bekannt zu machen.
Heute ist der Schilcher ein geschützter Begriff, der nur für Weine aus der Blauen Wildbacher Traube verwendet werden darf, die in der definierten Region der Weststeiermark angebaut wurden. Die Weinbaugebiete erstrecken sich von Deutschlandsberg im Norden bis Eibiswald im Süden und umfassen etwa 500 Hektar Rebfläche – eine kleine, aber feine Weinregion, die einzigartige Weine hervorbringt.
Die moderne Schilcherproduktion verbindet Tradition und Innovation. Während die grundlegenden Prinzipien der Weinbereitung bewahrt werden, setzen die Winzer zunehmend auf moderne Technologien, um die Qualität zu verbessern und neue Stilrichtungen zu entwickeln. Neben dem klassischen trockenen Schilcher gibt es heute Schilcher-Sekt, Schilcher-Frizzante, Schilcher-Eiswein und sogar Schilcher-Brände – eine Vielfalt, die die Anpassungsfähigkeit dieser traditionellen Weinkultur zeigt.
„Der Schilcher steht vor einer spannenden Zukunft“, meint Weinbauexperte Dr. Robert Steidl von der Weinbauschule Silberberg. „Einerseits profitiert er vom wachsenden Interesse an autochthonen Rebsorten und regionalen Spezialitäten, andererseits stellt der Klimawandel die Winzer vor neue Herausforderungen. Die Blaue Wildbacher ist eine Sorte, die kühle Nächte braucht, um ihre charakteristische Säure zu entwickeln – wenn die Temperaturen steigen, könnte sich der Charakter des Weins verändern.“
Die Winzer der Region begegnen dieser Herausforderung mit verschiedenen Strategien: Sie pflanzen Reben in höheren, kühleren Lagen, experimentieren mit neuen Anbau- und Kelterungsmethoden und entwickeln neue Weinstile, die den veränderten Bedingungen Rechnung tragen. So bleibt der Schilcher lebendig und entwickelt sich weiter, ohne seine Wurzeln zu verlieren.
Die Schilcherregion – Mehr als nur Wein
Die Schilcher-Museums-Tour hat gezeigt, dass die Weinkultur der Weststeiermark weit mehr umfasst als nur den Anbau von Reben und die Produktion von Wein. Sie ist eingebettet in ein reiches kulturelles Erbe, das von der Architektur über das Handwerk bis hin zur Küche reicht.
Die traditionellen Buschenschänken, in denen die Winzer ihren eigenen Wein ausschenken, sind lebendige Zentren dieser Kultur. Hier treffen sich Einheimische und Touristen, um bei einem Glas Schilcher und einer deftigen Jause das Leben zu genießen. Die Buschenschänke ist mehr als nur ein gastronomischer Betrieb – sie ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Gemeinschaft.
Die Architektur der Region spiegelt die Weinbautradition wider. Die typischen Weinkeller, oft in Hanglage gebaut und mit dicken Mauern versehen, bieten ideale Bedingungen für die Lagerung des Weins. Die Kellerstöckl – kleine Häuschen über den Weinkellern, die ursprünglich als Unterkunft während der Weinlese dienten – sind heute beliebte Feriendomizile, die einen authentischen Einblick in das Winzerleben bieten.
Das Handwerk der Region ist eng mit dem Weinbau verbunden. Küfer, die Fässer herstellen, Schmiede, die Werkzeuge fertigen, und Korbflechter, die Tragekörbe für die Lese flechten – all diese traditionellen Handwerke haben den Weinbau über Jahrhunderte begleitet und unterstützt. Auch wenn viele dieser Handwerke heute nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form existieren, leben sie in Museen und Handwerksbetrieben weiter und bereichern das kulturelle Erbe der Region.
Die Küche der Weststeiermark schließlich ist ein weiterer wichtiger Aspekt der regionalen Kultur. Die deftige, bodenständige Küche mit Spezialitäten wie Verhackert (eine würzige Streichwurst), Sterz (ein Gericht aus Mais- oder Buchweizenmehl) und natürlich dem allgegenwärtigen Kürbiskernöl harmoniert perfekt mit dem säurebetonten Schilcher und bildet mit ihm eine kulinarische Einheit, die die Identität der Region prägt.
Fazit: Eine Wanderung durch Zeit und Kultur
Die Schilcher-Museums-Tour ist mehr als nur eine Wanderung durch eine malerische Landschaft – sie ist eine Reise durch die Zeit, eine Begegnung mit einer lebendigen Weinkultur und ein sinnliches Erlebnis für alle, die offen sind für die Geschichten, die diese Region zu erzählen hat.
Die 14 Kilometer lange Route mit ihren 300 Höhenmetern ist moderat anspruchsvoll und für geübte Wanderer in etwa viereinhalb Stunden zu bewältigen. Mit den Besichtigungen und Verkostungen sollte man jedoch einen ganzen Tag einplanen, um die vielfältigen Eindrücke wirklich aufnehmen zu können.
Die Tour verbindet auf ideale Weise Natur und Kultur, körperliche Aktivität und geistige Anregung, Genuss und Bildung. Sie führt durch verschiedene Landschaftsformen – von offenen Wiesen über schattige Wälder bis hin zu sonnigen Weinhängen – und bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die Hügellandschaft der Weststeiermark.
Die Museen entlang der Route – das Bauernmuseum Lateinberg, die Bauernschmiede Woch, das Weinbauernmuseum Glirsch und das Weitwandermuseum im Lerchhaus – bieten tiefe Einblicke in verschiedene Aspekte der regionalen Kultur und Geschichte. Sie sind keine verstaubten Sammlungen, sondern lebendige Orte der Erinnerung und Vermittlung, die von engagierten Menschen mit Leidenschaft betrieben werden.
Die Einkehrmöglichkeiten entlang des Weges – vom Gasthof Hofjäger über die Buschenschenke Glirsch bis zum Gasthaus Bartlschneider – laden ein, die kulinarischen Schätze der Region zu entdecken und den Schilcher in seinen verschiedenen Variationen zu genießen. Hier wird Gastfreundschaft großgeschrieben, und Besucher werden nicht als Touristen, sondern als Gäste empfangen.
Die Schilcher-Museums-Tour ist ein Musterbeispiel für nachhaltigen Tourismus, der die natürlichen und kulturellen Ressourcen einer Region respektiert und fördert. Sie schafft Wertschöpfung für lokale Betriebe, bewahrt traditionelles Wissen und Fertigkeiten und vermittelt Besuchern ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Landschaft, Kultur und Wirtschaft.
Wer die Schilcher-Museums-Tour wandert, kehrt nicht nur mit müden Beinen, sondern auch mit einem reichen Schatz an Eindrücken, Erfahrungen und Erkenntnissen zurück. Der Geschmack des Schilchers auf der Zunge, die Bilder der sanften Hügel im Kopf und die Geschichten der Menschen im Herzen – all das bleibt und weckt vielleicht den Wunsch, wiederzukommen und noch tiefer einzutauchen in die faszinierende Welt des Schilcherlandes.
Für weitere Informationen und Buchungen stehen das Tourismusbüro Eibiswald (Tel.: +43 (5) 7730 120, 8552 Eibiswald 82) und das Tourismusbüro Deutschlandsberg (Tel.: +43 (5) 7730 300, 8530 Deutschlandsberg, Hauptplatz 40) zur Verfügung. Umfassende Informationen zur gesamten Region bietet auch die Website www.suedsteiermark.com.
Wanderparadies Wies: Wo Kürbisse leuchten und Geschichte wandert
Teil 1: Die goldenen Pfade des Kürbislandes
Der Kürwiesweg – Eine Reise ins Herz des steirischen Goldes
An einem klaren Herbstmorgen stehe ich auf dem Marktplatz von Wies, umgeben von den sanften Hügeln der Südsteiermark. Die Luft ist erfüllt vom Duft frisch gepressten Kürbiskernöls, das hier nicht nur Nahrungsmittel, sondern kulturelles Erbe ist. Der Kürwiesweg, eine sieben Kilometer lange Rundwanderung, verspricht Einblicke in die Seele dieser Region, wo der Kürbis König ist und die Landschaft in goldenes Licht taucht.
„Unser Kürbisweg ist mehr als nur eine Wanderroute“, erklärt mir Franz Kernbichler, ein lokaler Wanderführer, den alle nur liebevoll „Kernöl-Franz“ nennen. „Er ist eine Zeitreise durch Jahrhunderte steirischer Tradition und ein Fest für alle Sinne.“
Vom Marktplatz aus führt der Weg zunächst Richtung Unterer Markt. Die historischen Gebäude mit ihren pastellfarbenen Fassaden erzählen von vergangenen Zeiten, als Wies ein wichtiger Handelsplatz war. Schon im 17. Jahrhundert wurde hier reger Handel betrieben, und die Marktrechte, die Wies 1543 erhielt, brachten Wohlstand in die Region.
Der Pfad führt weiter zur Seltenriegelquelle, deren kristallklares Wasser seit Jahrhunderten die Bewohner versorgt. Entlang des Weges informieren liebevoll gestaltete Schautafeln über die Herkunft, gesundheitliche Bedeutung und kulinarische Verwendung verschiedener Kürbissorten. Der Ölkürbis, wissenschaftlich Cucurbita pepo var. styriaca genannt, kam erst im 18. Jahrhundert in die Steiermark und hat sich seitdem zum Wahrzeichen der Region entwickelt.
„Wissen Sie“, erzählt Franz, während wir zwischen Weingärten hindurchwandern, „der Kürbis war anfangs nur Viehfutter. Erst als man entdeckte, dass aus den schalenlosen Kernen ein köstliches Öl gepresst werden kann, begann sein Siegeszug.“ Die Herbstsonne lässt die orangefarbenen Kürbisse auf den Feldern leuchten wie kleine Sonnen, die sich auf der Erde niedergelassen haben.
Unser Weg führt uns zum Gasthaus Ziegler, besser bekannt als „Wirtprimus“. Von der Terrasse aus bietet sich ein atemberaubender Rundblick über das Koralmgebiet. Die sanften Hügel, bedeckt mit Weinreben, Obstbäumen und Kürbisfeldern, erstrecken sich bis zum Horizont, wo die Koralpe majestätisch in den Himmel ragt.
„Früher“, erklärt Franz, „war jeder Hof hier selbstversorgend. Man hatte ein paar Weinstöcke, etwas Obst, Kürbisse und vielleicht ein paar Tiere. Die Bauern brachten ihre Kürbiskerne zur gemeinschaftlichen Ölmühle, und jeder bekam sein eigenes Öl zurück.“ Diese Tradition der Gemeinschaft spürt man noch heute in Wies, wo Nachbarschaftshilfe und gemeinsame Feste zum Alltag gehören.
Ein besonderes Highlight ist der Abstecher zum Anwesen Rothschädl, vulgo Hora in Gaißeregg. Hier kann man im Herbst beobachten, wie die Öl-Kürbiskerne gewaschen, getrocknet und gereinigt werden – ein faszinierendes Handwerk, das seit Generationen weitergegeben wird. Der Geruch der trocknenden Kerne erfüllt die Luft mit einem nussigen Aroma, das charakteristisch für die Erntezeit ist.
„Die Kunst des Kürbiskernölpressens ist ein Handwerk, das viel Erfahrung erfordert“, erklärt mir Herr Rothschädl, während er eine Handvoll frisch getrockneter Kerne präsentiert. „Die Kerne müssen genau den richtigen Trocknungsgrad haben, bevor sie gemahlen und geröstet werden. Beim Rösten entscheidet oft das Gehör des Meisters, wann der richtige Moment gekommen ist – ein zu lautes Knacken bedeutet, dass die Kerne zu heiß werden.“
Von Gaißeregg aus wandern wir weiter zur Landesversuchsstation für Spezialkulturen – ein wahres Paradies für Pflanzenliebhaber. Hier erwarten den Besucher die „duftenden Sinnlichkeiten“ eines Gartens mit 160 Kleinparzellen. Jede Parzelle beherbergt andere Pflanzen, von Heilkräutern über Gewürze bis hin zu seltenen Gemüsesorten. Ein begehbares Kürbisschaufeld (von Juli bis Oktober zugänglich) präsentiert die erstaunliche Vielfalt der Kürbisarten – von winzigen Zierkürbissen bis hin zu gigantischen Exemplaren, die über 100 Kilogramm wiegen können.
Dr. Maria Leitner, Leiterin der Versuchsstation, erklärt mir die Bedeutung dieser Einrichtung: „Hier erforschen wir nicht nur traditionelle Anbaumethoden, sondern entwickeln auch neue Sorten, die besser an den Klimawandel angepasst sind. Der Kürbis ist erstaunlich anpassungsfähig und könnte in Zukunft noch wichtiger werden, da er auch mit weniger Wasser auskommt als viele andere Kulturpflanzen.“
Weiter geht es zu einem besonderen Kunstobjekt – den Metallfahnenstangen, die eine „Blumenwiese“ darstellen. Diese moderne Installation bildet einen interessanten Kontrast zur traditionellen Landschaft und erinnert daran, dass Wies nicht nur in der Vergangenheit lebt, sondern sich stetig weiterentwickelt.
Ein lohnenswerter Abstecher führt zum Renaissance-Schloss Burgstall mit seinem reizvollen Innenhof. Das Schloss, erbaut im 16. Jahrhundert, war einst Sitz der lokalen Adelsfamilie und diente später als Verwaltungszentrum. Heute beherbergt es kulturelle Veranstaltungen und ist ein beliebter Ort für Hochzeiten. Die dicken Mauern erzählen Geschichten von vergangenen Zeiten, als die Türkengefahr die Region bedrohte und das Schloss als Schutzburg diente.
Der letzte Abschnitt unserer Wanderung führt entlang des ehemaligen „Kirchengangwegs“ zurück in den Ort. Dieser historische Pfad wurde jahrhundertelang von Gläubigen genutzt, die zur Wallfahrtskirche „Zum Gegeißelten Heiland auf der Wies“ pilgerten. Zwischen Obsthainen und Weingärten wandernd, genießen wir einen wunderschönen Blick auf die Kirche, deren barocker Turm majestätisch über dem Ort thront.
Die Wallfahrtskirche selbst ist ein architektonisches Juwel mit einer bewegten Geschichte. Ursprünglich im 14. Jahrhundert erbaut, wurde sie im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet und erweitert. Besonders beeindruckend ist der barocke Hochaltar, der den gegeißelten Christus darstellt – ein Kunstwerk, das jährlich tausende Pilger anzieht.
Der Bergbau-Museums-Weg – Auf den Spuren der Bergleute
Nach einer erholsamen Nacht in einer der gemütlichen Pensionen von Wies breche ich am nächsten Morgen zum Bergbau-Museums-Weg auf. Diese Route führt durch ein weniger bekanntes, aber nicht minder faszinierendes Kapitel der lokalen Geschichte – den Bergbau, der über Jahrhunderte das Leben in der Region prägte.
Der Ausgangspunkt ist der Bahnhof Wies-Eibiswald, ein historisches Gebäude aus der k.u.k.-Zeit, als die Eisenbahn neue Verbindungen schuf und den Handel belebte. Von hier aus wandere ich entlang der B76 in Richtung Steyeregg-Schwanberg. Nach etwa 300 Metern quere ich die Straße in Richtung Etzendorf und biege beim Aldrianplatz nach der Mauer sofort rechts in den Koglerweg ein.
Der Weg führt parallel zur B76 entlang des Waldes. Rechterhand passiere ich einen Hundeabrichteplatz, ein Gehege mit prächtigem Federvieh und eine liebevoll gestaltete Teichanlage – kleine Oasen der Ruhe abseits der Hauptstraße. Am linken Waldrand steht die Barbarakapelle, ein schlichter, aber eindrucksvoller Bau zu Ehren der Schutzpatronin der Bergleute.
„Die heilige Barbara ist für die Bergleute mehr als nur eine Heilige“, erklärt mir Herbert Krammer, ein ehemaliger Bergmann, der heute Führungen im Bergbau-Museum leitet. „Sie war ihre Beschützerin in der Dunkelheit unter Tage, ihr Licht in der Not. Kein Bergmann würde ohne ein kurzes Gebet an Barbara in den Stollen einfahren.“
Nach Überquerung der B76 wandere ich auf dem Fuß- und Radweg bis zum Gasthof Toplerhof. Der Weg führt weiter über die Kolonie zu Ida’s Stüberl – einem gemütlichen Lokal, das für seine hausgemachten Mehlspeisen bekannt ist. Von dort erreiche ich das Herzstück dieser Route: das Bergbau-Museum, das Kulturhaus und die Kapelle in Steyeregg.
Das Bergbau-Museum ist in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Bergwerks untergebracht und dokumentiert eindrucksvoll die harte Arbeit der Bergleute. Ausstellungsstücke wie Grubenlampen, Werkzeuge und Förderwagen erzählen von den Mühen des Kohleabbaus, der hier bis in die 1960er Jahre betrieben wurde. Besonders beeindruckend ist ein nachgebauter Stollen, der einen Eindruck von den beengten und gefährlichen Arbeitsbedingungen unter Tage vermittelt.
„Die Kohle aus Steyeregg war von besonders hoher Qualität“, erzählt Herbert stolz. „Sie hatte einen hohen Brennwert und wenig Schwefel. In der Blütezeit des Bergbaus arbeiteten hier über 300 Männer, und das Bergwerk war der wirtschaftliche Motor der ganzen Region.“
Nach dem Museumsbesuch quere ich die B76 gegenüber der Feuerwehr am Zebrastreifen und wandere am Grubenhunt vorbei – einem Förderwagen, der als Denkmal an die Bergbauzeit erinnert. Der Weg führt auf die Fastlhöhenstraße bis zur Kreuzbergstraßenkreuzung, wo ich mich rechts in Richtung Wies halte. Nach etwa 300 Metern erreiche ich den Buschenschank und Hofladen Michelitsch – eine willkommene Gelegenheit für eine Stärkung mit regionalen Spezialitäten.
Der weitere Weg führt entlang des Kamms mit einem atemberaubenden Panorama: Westlich erstreckt sich die majestätische Koralm-Region, während an der östlichen Seite das malerische Sulmtal zu sehen ist. Die sanften Hügel, bedeckt mit Weinreben und Obstbäumen, bilden eine idyllische Kulisse für die Wanderung.
Nach einer gemütlichen Etappe komme ich beim Gasthaus Wirtprimus Ziegler vorbei – demselben Lokal, das auch am Kürwiesweg liegt. Von hier aus erreiche ich über Schloss Burgstall wieder den Ausgangspunkt in Wies. Die acht Kilometer lange Route mit ihren moderaten Steigungen ist in etwa zwei Stunden zu bewältigen und eignet sich hervorragend für Familien mit Kindern.
Teil 2: Literarische Pfade und kulturelle Schätze
Der Hans Kloepfer Weg – Auf den Spuren des Heimatdichters
Der dritte Tag meiner Erkundungstour durch die Region Wies-Eibiswald ist dem Hans Kloepfer Weg gewidmet – einer Route, die nicht nur landschaftliche Schönheit, sondern auch literarisches Erbe bietet. Hans Kloepfer (1867-1944) zählt zu den bedeutendsten Dichtern der Steiermark und hat in seinen Mundartgedichten die Landschaft und das Leben der Menschen in dieser Region verewigt.
Der Weg folgt den Spuren zweier Kloepfergedichte: „Dahoam“ bis Laaken und „Da Ruß“ bis in die Wiel. In „Dahoam“ schildert Kloepfer die Heimkehr eines Laakener Bauern vom Grazer Fetzenmarkt – eine poetische Reise durch die steirische Landschaft, die auch heute noch nachvollziehbar ist.
Ausgangspunkt ist wieder der Bahnhof Wies-Eibiswald. Von hier aus führt der Weg vorbei am alten Kircherl St. Veit nach Eibiswald. St. Veit in Altenmarkt, urkundlich seit 1324 gesichert, war bis 1798 Pfarrkirche. Heute ist nur mehr der gotische Chor erhalten, der vollständig mit beeindruckenden Fresken ausgemalt ist – ein stilles Zeugnis mittelalterlicher Frömmigkeit und Kunstfertigkeit.
In Eibiswald lohnt ein Besuch des Kloepfermuseums, das im Geburtshaus des Dichters eingerichtet ist. Hier erfährt man alles über das Leben und Werk des Arztes und Poeten, der die Seele der Steiermark in Worte fasste. Die Pfarrkirche „Maria in Dorn“ zu Eibiswald, auf romanischen und gotischen Grundmauern 1678 erbaut, ist ein weiteres kulturelles Highlight. Am 15. August findet hier die traditionelle Kräutersegnung statt, und am 27. Dezember werden die Weine des neuen Jahrgangs gesegnet – Bräuche, die die tiefe Verbundenheit der Menschen mit der Natur und ihren Gaben zeigen.
Eibiswald selbst, von Weingärten und Buschenschänken umgeben, ist der Endpunkt des NORD-SÜD Weitwanderwegs 05 und der Beginn des steirischen Mariazellerwegs 06 – ein wichtiger Knotenpunkt für Weitwanderer aus ganz Österreich.
Vorbei an der Kreuzkirche, die in ihren Anfängen bis in die Zeit der Kreuzzüge zurückreicht und seit 1796 ihre heutige verkleinerte Form hat, führt der Weg durch das „Stille Tal“ nach Aichberg. Dort sorgt der Buschenschank Garber mit seinem Aussichtsturm für eine angenehme Rast und grandiose Rundblicke über die hügelige Landschaft.
„Kloepfer hat diese Landschaft nicht nur beschrieben, er hat sie gefühlt“, erklärt mir Maria Ebner, eine lokale Kulturvermittlerin, die Führungen auf dem Kloepferweg anbietet. „In seinen Gedichten spürt man die tiefe Verbundenheit mit der Heimat, die Liebe zu den Menschen und ihren Bräuchen. Er war Arzt und kannte die Sorgen und Nöte der einfachen Leute – das macht seine Dichtung so authentisch und zeitlos.“
Der Weg führt weiter vorbei an der Höchwirthkapelle und der Aussichtsplattform Buchenberg nach St. Oswald. Die Pfarrkirche St. Oswald, urkundlich 1373 erwähnt und 1728 in ihrer heutigen Form erbaut, ist ein weiteres Zeugnis der reichen Kirchengeschichte der Region. Hier steht der Wanderer vor einer Entscheidung: Dem Weg des „gefangenen Ruß“ in die Wiel folgen oder den Weg über den „Schneiderlipperlgraben“ in die Soboth fortsetzen.
Ich entscheide mich für die Route nach Wiel, wo die Pfarrkirche St. Katharina steht – eine gotische Kirche, die bereits 1545 als Eibiswalder Filialkirche erwähnt wurde. Der Turm wurde 1572 hinzugefügt und prägt bis heute die Silhouette des kleinen Ortes.
Zurück in St. Oswald empfiehlt sich eine Stärkung im Grafstüberl oder beim Gasthof Schindler, bevor man den anspruchsvolleren Teil des Weges in Angriff nimmt. Die Soboth mit ihrer Pfarrkirche St. Jakob (urkundlich seit 1545 bekannt, nach einem Brand 1704 neu erbaut) bietet ausgezeichnete Gastronomie und weite Ausblicke ins Drautal – ein lohnendes Ziel für Wanderer mit Ausdauer.
Über den „Maria-Erscheinungsweg“ mit der Lourdesgrotte an der Feistritz steigt der Weg über steilen Hochwald zur Waldhanslkeusche hinauf. Von hier geht es über schattige Wald- und Forstwege in einer guten Stunde zum Laakener Gasthaus Strutz, wo bei Forelle und gutem Wein alle Mühen vergessen werden.
Der gesamte Hans Kloepfer Weg ist mit seinen 34 Kilometern (17 km ab Wies bis zum Gasthof Schindler und weitere 17 km bis zum Gasthaus Strutz) eine anspruchsvolle Mehrtageswanderung, die tiefe Einblicke in die kulturelle und landschaftliche Vielfalt der Region bietet. Bei Schnee in den Hochlagen und Hochwasser am Krumbach ist der Weg allerdings nicht begehbar – ein Hinweis auf die Naturgewalten, die das Leben in dieser Region seit jeher prägen.
Weitere Wanderwege: Vielfalt für jeden Geschmack
Die Region rund um Wies bietet noch zahlreiche weitere Wanderwege, die verschiedene Aspekte der lokalen Kultur und Natur beleuchten. Der Emmaus Winzerweg beispielsweise startet an der Pfarr- und Wallfahrtskirche zum „Gegeißelten Heiland auf der Wies“ und führt durch die Weinberge der Region – ein Genuss für alle, die Wein und Wandern verbinden möchten.
Die „Erlebnis Schilcher Weinwelt Jöbstl“ lädt dazu ein, spielerisch an sechs Erlebnisstationen den eigenen Schilchertyp zu entdecken. Der Schilcher, ein charakteristischer Roséwein aus der blauen Wildbachertraube, ist neben dem Kürbiskernöl das zweite „flüssige Gold“ der Region und hat eine jahrhundertealte Tradition.
Der Glashüttenweg erinnert an die industrielle Vergangenheit von Wies. Ausgehend vom Marktplatz führt er zur alten Glasfabrik, wo Schautafeln die Geschichte der Glasherstellung in der Region dokumentieren – ein faszinierendes Kapitel lokaler Wirtschaftsgeschichte.
Der Kapellenweg folgt dem Lauf der Sulm flussaufwärts und verbindet verschiedene Kapellen und religiöse Stätten – ein spiritueller Pfad durch eine gesegnete Landschaft. Der Sulmweg selbst bietet eine naturnahe Wanderung entlang des Flusses, der die Region prägt und ihr den Namen gab.
Der Weingartenweg beginnt am Marktplatz Wies und führt durch die Weinberge am Fuße von Schloss Burgstall – ein Genuss für alle Sinne, besonders im Herbst, wenn die Trauben reif sind und die Blätter der Reben in allen Farben leuchten.
Besonders interessant ist auch der Zwei-Elemente-Weg, der im Ortszentrum von Wielfresen beginnt. Hier haben Wanderer die Möglichkeit, die Gesteinswelt von Wielfresen zu besichtigen – ein geologisches Abenteuer, das die Entstehungsgeschichte der Landschaft erlebbar macht.
Die Almhütte Wirtbartl – Einfachheit als Luxus
Ein besonderes Highlight für Naturliebhaber ist die Almhütte Wirtbartl. Unter dem Motto „Einfach leben – einfach zufrieden sein mit dem, was da ist – einfach schön!!“ bietet sie ein authentisches Almerlebnis abseits des Trubels. Hier kann man die Seele baumeln lassen, den Alltag vergessen und die ursprüngliche Natur genießen – ein Luxus, der in unserer hektischen Zeit immer wertvoller wird.
Teil 3: Kulturelles Erbe und lebendige Traditionen
Die Wallfahrtskirche „Zum Gegeißelten Heiland auf der Wies“
Ein kultureller und spiritueller Mittelpunkt der Region ist die Wallfahrtskirche „Zum Gegeißelten Heiland auf der Wies“. Die Kirche, deren Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht, ist nicht nur architektonisch beeindruckend, sondern auch ein lebendiges Zentrum religiöser Traditionen.
Die Legende erzählt, dass im Jahr 1467 während einer Prozession Blutstropfen an einer Christusfigur beobachtet wurden – ein Wunder, das den Grundstein für die Wallfahrtstradition legte. Die heutige Kirche, im Barockstil erbaut, beherbergt eine eindrucksvolle Darstellung des gegeißelten Christus am Hochaltar – ein Kunstwerk, das Gläubige aus nah und fern anzieht.
Besonders während der Karwoche und zu Fronleichnam finden hier traditionelle Prozessionen statt, bei denen alte Bräuche lebendig werden. Die „Heilig-Grab-Wache“ in der Karwoche, bei der Männer in historischen Uniformen am Heiligen Grab Wache halten, ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Verbindung von Glaube und Tradition.
Schloss Burgstall – Renaissance-Juwel mit bewegter Geschichte
Das Renaissance-Schloss Burgstall, das wir bereits auf unseren Wanderungen passiert haben, verdient eine nähere Betrachtung. Erbaut im 16. Jahrhundert als Wehranlage gegen die Türkengefahr, entwickelte es sich später zu einem repräsentativen Adelssitz. Der reizvolle Innenhof mit seinen Arkadengängen zeugt vom Kunstsinn der damaligen Besitzer.
Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer und diente verschiedenen Zwecken – von der Verwaltungszentrale bis zum Getreidespeicher. Heute ist es in Privatbesitz, wird aber für kulturelle Veranstaltungen genutzt und kann bei Führungen besichtigt werden. Die dicken Mauern und verwinkelten Gänge erzählen Geschichten von Rittern und Edelfrauen, von Kriegen und Friedenszeiten – ein lebendiges Geschichtsbuch in Stein.
Kulinarische Traditionen – Mehr als nur Kürbiskernöl
Die Region rund um Wies ist nicht nur für ihr Kürbiskernöl bekannt, sondern für eine Vielzahl kulinarischer Spezialitäten, die eng mit der Landschaft und den Jahreszeiten verbunden sind. Der bereits erwähnte Schilcher-Wein ist ein charakteristischer Roséwein, der ausschließlich in der Weststeiermark aus der blauen Wildbachertraube gekeltert wird. Sein fruchtig-säuerlicher Geschmack macht ihn zu einem idealen Begleiter für deftige steirische Jausen.
In den zahlreichen Buschenschänken der Region kann man neben Wein auch hausgemachte Spezialitäten genießen: Selchfleisch (geräuchertes Fleisch), Verhackertes (eine würzige Streichwurst), Käse vom Bauernhof und natürlich das berühmte Kernöl, das über Eierspeisen, Salate oder einfach auf frisches Brot geträufelt wird.
Im Herbst, wenn die Kürbisse reif sind, gibt es überall Kürbissuppe in verschiedenen Variationen – von klassisch mit Sahne bis hin zu exotischen Versionen mit Ingwer oder Curry. Auch Kürbisgemüse, Kürbisrisotto und sogar Kürbisdesserts stehen dann auf den Speisekarten.
Die Obstgärten der Region liefern Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen, die zu Säften, Schnäpsen und Marmeladen verarbeitet werden. Besonders der „Most“, ein vergorener Apfel- oder Birnensaft, ist ein traditionelles Getränk, das bei keinem Bauernfest fehlen darf.
Lebendiges Brauchtum – Feste im Jahreslauf
Das Leben in und um Wies ist geprägt von einem reichen Brauchtum, das den Jahreslauf strukturiert und Gemeinschaft stiftet. Im Frühjahr beginnt die Saison mit dem „Maibaumaufstellen“ – ein Brauch, bei dem in jedem Dorf ein geschmückter Baum aufgestellt wird, der Fruchtbarkeit und neues Leben symbolisiert. Oft wird der Maibaum von Nachbargemeinden „gestohlen“ – ein freundschaftlicher Wettstreit, der mit einem gemeinsamen Fest endet.
Der Sommer steht im Zeichen der Sonnwendfeiern und Erntedankfeste. Besonders das „Kürbisfest“ im September ist ein Höhepunkt des Jahres, bei dem alles rund um den Kürbis gefeiert wird – von Kürbisschnitzwettbewerben bis hin zur Wahl der Kürbiskönigin.
Der Herbst ist die Zeit der Weinfeste und Mostverkostungen. Der „Steirische Herbst“ ist nicht nur ein Kulturfestival, sondern auch eine Zeit, in der die Ernte eingebracht und bei gemeinsamen Festen gefeiert wird. Die „Stubenmusik“ – traditionelle Volksmusik, gespielt auf Zither, Hackbrett und Gitarre – begleitet diese Zusammenkünfte und schafft eine gemütliche Atmosphäre.
Im Winter schließlich ziehen die „Perchten“ durch die Dörfer – dämonische Gestalten mit Holzmasken und Fellkostümen, die den Winter vertreiben sollen. Der „Krampuslauf“ am 5. Dezember ist besonders für Kinder ein aufregendes Ereignis, wenn der pelzige Geselle als Begleiter des Nikolaus die „bösen“ Kinder erschreckt.
Diese Bräuche, oft Jahrhunderte alt, werden nicht als museale Folklore gepflegt, sondern als lebendiger Teil des Alltags. Sie stiften Identität und verbinden die Generationen – ein kulturelles Erbe, das in der globalisierten Welt besonders wertvoll ist.
Fazit: Wies – Ein Wanderparadies mit Seele
Die Wanderwege rund um Wies erschließen nicht nur eine landschaftlich reizvolle Region, sondern auch ein reiches kulturelles Erbe. Ob auf dem Kürwiesweg durch goldene Kürbisfelder, auf dem Bergbau-Museums-Weg durch die industrielle Vergangenheit oder auf dem Hans Kloepfer Weg durch literarische Landschaften – überall begegnet man der Seele dieser Region, die in der Verbindung von Natur und Kultur, Tradition und Moderne liegt.
Die Menschen von Wies haben es verstanden, ihr Erbe zu bewahren und gleichzeitig für die Zukunft zu öffnen. Sie leben mit und von der Natur, respektieren ihre Rhythmen und feiern ihre Gaben. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und regionale Identität wieder an Bedeutung gewinnen, kann Wies als Vorbild dienen – ein Ort, an dem Wandern mehr ist als Fortbewegung, nämlich eine Reise zu den Wurzeln und gleichzeitig in die Zukunft.
Wer die Wanderschuhe schnürt und sich auf die Pfade rund um Wies begibt, wird nicht nur körperlich, sondern auch geistig und seelisch bereichert zurückkehren – mit dem Geschmack von Kürbiskernöl und Schilcher auf der Zunge, mit Bildern von goldenen Feldern und grünen Hügeln im Kopf und mit der Erinnerung an herzliche Begegnungen im Herzen. Wies wandert – und wer mitwandert, wird Teil einer jahrhundertealten Tradition des Unterwegsseins in einer Landschaft, die ihre Geschichten preisgibt, wenn man sie mit offenen Sinnen durchwandert.
WANDERPARADIES ALMENLAND: AUF DEM SIEBENKÖGEL-RUNDWEG
Von Gipfelglück, Quellwasser und Almrausch – Eine Traumtour durch die steirische Bergwelt
Wer das Besondere sucht, findet es oft abseits der ausgetretenen Pfade. Der Siebenkögel-Rundweg im steirischen Almenland ist so ein verborgenes Juwel – eine Wanderung, die alles bietet, was das Wanderherz begehrt: sanfte Almwiesen, schattige Wälder, kulturhistorische Besonderheiten und atemberaubende Panoramablicke. Unsere Redaktion hat diese Perle für Sie erkundet und teilt ihre Eindrücke von einer Tour, die zu den schönsten Rundwanderungen der Steiermark zählt.
Beste Wanderzeit: Mai bis Oktober, bei Schnee als Schneeschuhwanderung
Charakter: abwechslungsreicher Rundweg mit moderaten Steigungen
DAS ALMENLAND – ÖSTERREICHS GRÜNES HERZ
Das Almenland, im Nordosten der Steiermark gelegen, ist mit über 125 km² die größte zusammenhängende Almweide Europas. Hier, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, erstreckt sich eine sanfte Hügellandschaft auf über 1.000 Metern Seehöhe. Die Region ist bekannt für ihre ursprüngliche Natur, die traditionelle Almwirtschaft und das berühmte Almenland-Almochsenfleisch – ein kulinarisches Highlight, das Sie sich nach der Wanderung nicht entgehen lassen sollten.
Der Naturpark Almenland, in dem unsere Wanderung stattfindet, vereint Naturschutz mit sanftem Tourismus. Hier grasen im Sommer über 2.000 Rinder auf saftigen Almwiesen – eine Kulturlandschaft, die seit Jahrhunderten von Menschenhand gepflegt wird und eine einzigartige Biodiversität aufweist.
UNSERE TOUR – EIN ERLEBNISBERICHT
Der Aufbruch – Frühmorgens am Holzmeister Lift
Es ist ein strahlender Frühlingsmorgen, als wir unsere Wanderschuhe am Parkplatz des Holzmeister Lifts schnüren. Die Luft ist klar, der Himmel tiefblau, und ein leichter Wind trägt den Duft von Almwiesen zu uns herüber. Obwohl der offizielle Startpunkt des Siebenkögel-Rundwegs die Stoakoglhütte ist, entscheiden wir uns für diese Variante und wandern im Uhrzeigersinn – eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen wird.
Unser Rucksack ist gepackt mit Proviant, ausreichend Wasser, Sonnenschutz und einer Regenjacke – denn das Wetter in den Bergen kann schnell umschlagen. Die Kamera darf natürlich nicht fehlen, zu verlockend sind die Fotomotive, die uns erwarten.
Durch Almwiesen zum Schwoabauerkreuz
Vom Parkplatz aus folgen wir zunächst einem breiten Forstweg, der uns sanft ansteigend durch blühende Almwiesen führt. Schon nach wenigen Minuten werden wir mit dem ersten Panoramablick belohnt: Das Grazer Bergland breitet sich vor uns aus, in der Ferne sind bei klarer Sicht sogar die Karawanken zu erkennen.
Der Weg zum Schwoabauerkreuz führt uns vorbei an friedlich grasenden Kühen, die uns neugierig beäugen. Diese robusten Almenland-Rinder verbringen den Sommer auf den Almen und sorgen mit ihrem Weideverhalten für die Erhaltung der artenreichen Almwiesen. Ohne sie würde die Landschaft verbuschen und ihre charakteristische Offenheit verlieren.
Das Schwoabauerkreuz selbst ist eines der vielen Wegkreuze, die im Almenland zu finden sind. Sie zeugen von der tiefen Religiosität der Bergbauern und dienten früher auch als Orientierungspunkte in verschneiten Winterlandschaften – eine Zeit, bevor GPS und Wanderapps das Navigieren übernahmen.
Abstieg zum Raabursprung – Wo ein großer Fluss beginnt
Von hier aus folgen wir dem Wegweiser zum Raabursprung und tauchen in den dichten Mischwald ein. Der Weg wird schmaler, wurzeliger, und führt uns einen Kilometer steil bergab. Die 200 Höhenmeter, die wir hier verlieren, müssen wir später wieder hinauf – doch der Umweg lohnt sich unbedingt.
Der Raabursprung ist ein magischer Ort. Hier, in einer kleinen Waldlichtung, entspringt die Raab – ein Fluss, der von diesem unscheinbaren Quellgebiet aus durch die Steiermark und das Burgenland fließt, dann Ungarn durchquert und schließlich in die Donau mündet. Es ist faszinierend, an diesem Ursprung zu stehen und sich vorzustellen, dass das klare Wasser, das hier aus dem Boden sprudelt, eine Reise von über 250 Kilometern vor sich hat.
Die Quelle ist gefasst und lädt zum Verweilen ein. Das kristallklare Wasser ist trinkbar und erfrischend kühl – ein natürlicher Energiespender für den weiteren Weg. Wir füllen unsere Wasserflaschen auf und genießen die Stille des Waldes, nur unterbrochen vom sanften Plätschern des Wassers und dem Gesang der Vögel.
Wieder aufwärts – Durch Wald und Wiese
Nach einer kurzen Rast machen wir uns an den Wiederaufstieg. Der Weg führt steil durch den Wald zurück, doch die frische Waldluft und das Spiel von Licht und Schatten zwischen den Bäumen lassen die Anstrengung vergessen. Zurück auf der Höhe folgen wir den gut markierten Wegtafeln des Siebenkögel-Rundwegs.
Die Landschaft im Almenland, wechselt nun zwischen schattigen Waldpassagen und offenen Almwiesen. Im Frühsommer sind die Wiesen übersät mit einer beeindruckenden Vielfalt an Blumen – von Arnika über Enzian bis hin zu verschiedenen Orchideenarten. Diese Blütenpracht lockt zahlreiche Schmetterlinge und Bienen an, die für die Bestäubung der Pflanzen sorgen.
Neben Kühen begegnen wir auf diesem Abschnitt auch einigen Pferden, die majestätisch auf den Weiden stehen. Die Noriker, eine alte österreichische Pferderasse, werden traditionell im Almenland gezüchtet und sind perfekt an das Leben in den Bergen angepasst.
Die Wanderbar – Eine willkommene Überraschung
Nach etwa fünf Kilometern erreichen wir eine charmante Überraschung am Wegesrand: die „Wanderbar“. Diese Selbstbedienungsstation bietet kühle Getränke für durstige Wanderer – ein Konzept, das auf Vertrauen basiert. Man nimmt sich ein Getränk und wirft das Geld in die bereitgestellte Kasse. Diese Art der Gastfreundschaft ist typisch für die Region ums Almenland und zeugt vom Zusammenhalt der Berggemeinschaft.
Wir gönnen uns eine erfrischende Pause und plaudern mit anderen Wanderern, die ebenfalls hier Rast machen. Der Austausch von Tipps und Erfahrungen gehört zum Wandern wie die Bergschuhe an den Füßen – und oft entstehen hier flüchtige, aber herzliche Begegnungen.
Die Wetterkreuze auf der Bründlalm – Zeugen alter Traditionen
Gestärkt setzen wir unseren Weg im Almenland fort und erreichen bald die Bründlalm mit den drei markanten Wetterkreuzen. Diese Holzkreuze haben eine lange Geschichte: Sie wurden errichtet, um Unwetter abzuwehren und die Almen vor Blitzschlag zu schützen. In einer Zeit vor meteorologischen Vorhersagen waren die Bergbauern den Naturgewalten ausgeliefert, und die Kreuze boten spirituellen Schutz.
Die Wetterkreuze stehen auf einer Anhöhe und bieten einen herrlichen Rundumblick. Im Osten erhebt sich das Grazer Bergland, im Westen grüßen die höheren Gipfel der Fischbacher Alpen. Es ist der perfekte Ort für eine ausgiebige Rast und unsere mitgebrachte Jause – wie man in Österreich die Brotzeit nennt.
Während wir unsere Brote auspacken, ziehen am Himmel einige Wolken auf, die das Licht in ein faszinierendes Spiel aus Licht und Schatten über das Almenland verwandeln – ein Fotomotiv, das kein Wanderer verpassen sollte.
Die Sommeralmkapelle – Spiritueller Ort mit Geschichte
Weiter geht es auf breitem Weg zur idyllischen Sommeralmkapelle. Das schlichte Gotteshaus wurde 1848 erbaut und ist der heiligen Maria geweiht. Im Inneren finden sich beeindruckende Holzschnitzereien lokaler Künstler. Die Kapelle ist ein beliebter Ort für Bergmessen im Sommer und ein Zeugnis der tief verwurzelten Volksfrömmigkeit in der Region.
Vor der Kapelle laden Bänke zum Verweilen ein, und der Blick schweift über die sanften Hügel des Almenlandes. Es ist ein Ort der Ruhe und Besinnung, an dem man den Alltag hinter sich lassen kann.
Moderne trifft Tradition – Windräder am Horizont
Nach der Kapelle queren wir die Straße und wandern eine Zeit lang parallel zu ihr in Richtung Nordosten. Hier zeigt sich ein interessanter Kontrast: Am Horizont drehen sich majestätische Windkrafträder – moderne Technik inmitten traditioneller Kulturlandschaft. Die Region Almenland setzt stark auf erneuerbare Energien und versucht, Tradition und Fortschritt in Einklang zu bringen.
Die Windräder sind beeindruckende Bauwerke, deren Rotorblätter sich sanft im Wind drehen. Sie erzeugen sauberen Strom für tausende Haushalte und sind gleichzeitig zu einem charakteristischen Merkmal der Landschaft geworden.
Der Aufstieg zum Plankogel – Höhepunkt der Tour
Bei der Stoakoglhütte beginnt der anspruchsvollste Teil unserer Wanderung im Almenland: der Aufstieg zum Plankogel. Der Pfad wird steiler und führt uns über Wurzeln und Steine hinauf zum Gipfel. Die Anstrengung lohnt sich jedoch, denn mit 1.531 Metern ist der Plankogel der höchste Punkt unserer Tour und bietet eine atemberaubende 360-Grad-Aussicht.
Das Gipfelkreuz ist ein beliebtes Fotomotiv, und wir lassen es uns nicht nehmen, hier ein Erinnerungsfoto zu schießen. An klaren Tagen reicht der Blick vom Hochschwab über das Grazer Bergland bis hin zu den slowenischen Alpen – ein Panorama, das jeden Schweißtropfen des Aufstiegs wert ist.
Der Name „Siebenkögel“ bezieht sich übrigens auf die sieben markanten Erhebungen in diesem Gebiet, von denen der Plankogel die höchste ist. Die anderen „Kögel“ sind der Stoakogel, der Sattelkogel, der Hochkogel, der Moarkogel, der Rabenkogel und der Eiweißkogel – jeder mit seinem eigenen Charakter und seiner eigenen Geschichte.
Der Abstieg – Auf historischen Wegen
Der Abstieg führt uns sanft bergab in Richtung Sommeralm. Wir folgen dabei einem Teilstück des historischen Mariazellerwegs, einem der ältesten Pilgerwege Österreichs, der seit Jahrhunderten von Gläubigen begangen wird. Später wechseln wir auf den Zentralalpenweg, einen der großen österreichischen Weitwanderwege, der auf über 1.200 Kilometern von Hainburg an der Donau bis nach Feldkirch in Vorarlberg führt.
Diese Wege erzählen Geschichten von Pilgern, Händlern und Reisenden, die seit Generationen diese Routen nutzen. Es ist ein besonderes Gefühl, in ihre Fußstapfen zu treten und Teil dieser langen Tradition zu sein.
Auf unserem Weg passieren wir Weiden mit Kühen und Pferden. Die Tiere haben sich an Wanderer gewöhnt und lassen sich kaum stören. Dennoch ist Respekt geboten – besonders bei Mutterkühen mit Kälbern sollte man Abstand halten und die Weiden ruhig durchqueren.
Zurück zum Ausgangspunkt – Der Kreis schließt sich
Als wir den Holzmeister Lift wieder erreichen, wandern wir die steile Wiese hinab zur Straße und zu unserem Ausgangspunkt. Der Kreis hat sich geschlossen, und wir blicken zurück auf eine erfüllende Wanderung, die uns durch verschiedenste Landschaften des Almenland und zu besonderen Orten geführt hat.
Die 14,5 Kilometer und 580 Höhenmeter haben wir kaum gespürt, zu abwechslungsreich und beeindruckend war die Strecke. Die angegebene Gehzeit von 4:30 Stunden haben wir mit unseren Pausen und Fotostopps deutlich überschritten – doch Zeit spielt beim Wandern keine Rolle, wenn man die Natur mit allen Sinnen genießen möchte.
PRAKTISCHE INFORMATIONEN FÜR IHRE TOUR
Wegbeschaffenheit und Anforderungen
Der Siebenkögel-Rundweg verläuft größtenteils auf breiten Forstwegen und Wiesenpfaden. Lediglich das Stück zum Raabursprung ist steil und unbefestigt – hier sind Trittsicherheit und gutes Schuhwerk gefragt. Insgesamt ist die Tour als leicht bis mittelschwer einzustufen und für geübte Wanderer ebenso geeignet wie für Familien mit größeren Kindern.
Die Markierung ist durchgehend gut, sodass man sich kaum verlaufen kann. Dennoch empfehlen wir, eine Wanderkarte oder eine Wander-App mit dem eingespeicherten Track mitzunehmen.
Die beste Wanderzeit
Der Siebenkögel-Rundweg ist grundsätzlich ganzjährig begehbar, zeigt sich aber in den verschiedenen Jahreszeiten von ganz unterschiedlichen Seiten:
Frühling (Mai/Juni): Die Almwiesen explodieren in einem Blütenmeer, die Luft ist klar, und die Temperaturen sind angenehm für längere Touren.
Sommer (Juli/August): Perfekt für ausgedehnte Wanderungen mit Einkehr in den bewirtschafteten Almhütten. An heißen Tagen bietet der Wald willkommenen Schatten.
Herbst (September/Oktober): Die Laubwälder färben sich bunt, die Fernsicht ist oft besonders gut, und die Almen leeren sich langsam von den Weidetieren.
Winter: Bei ausreichend Schnee ist der Weg eine lohnende Schneeschuhwanderung. Besonders der Aufstieg zum Plankogel bietet im Winter ein magisches Erlebnis.
Einkehrmöglichkeiten
Die Stoakoglhütte ist die Haupteinkehrmöglichkeit auf der Route. Die urige Almhütte bietet deftige steirische Hausmannskost und selbstgemachte Mehlspeisen. An Wochenenden und in der Hauptsaison empfiehlt sich eine Reservierung.
Weitere Einkehrmöglichkeiten finden sich im Bereich der Sommeralm, etwas abseits der Route. Hier gibt es mehrere Gasthöfe, die regionale Spezialitäten anbieten – vom berühmten Almenland-Almochsen bis hin zu hausgemachten Käsespezialitäten.
Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse
Neben den bereits beschriebenen Highlights bietet die Region Almenland rund um den Siebenkögel-Rundweg weitere Attraktionen:
Raabursprung: Die Quelle eines bedeutenden Flusses, mystischer Ort im Wald.
Sommeralm: Traditionsreiche Almsiedlung mit langer Geschichte.
Wetterkreuze: Kulturhistorische Zeugnisse des Volksglaubens.
Plankogel (1.531 m): Höchster Punkt der Tour mit grandiosem Panorama.
Almtiere: Begegnungen mit Kühen, Pferden und mit etwas Glück auch Wildtieren.
Teichalm: In der Nähe gelegen, mit dem größten Almseengebiet Europas.
Anreise und Parken
Mit dem Auto: Ausreichend Parkplätze stehen am Holzmeister Lift zur Verfügung. Die Anfahrt erfolgt über Passail oder Weiz.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Die Buslinie 8163 fährt bis zur Haltestelle „Sommeralm Holzmeister“. Die Verbindungen sind allerdings begrenzt, daher empfiehlt sich eine vorherige Planung.
Ausrüstungstipps
Auch wenn der Siebenkögel-Rundweg technisch nicht anspruchsvoll ist, sollten Sie folgende Ausrüstung nicht vergessen:
Feste Wanderschuhe mit gutem Profil
Wetterfeste Kleidung (auch bei Sonnenschein eine Regenjacke einpacken)
Ausreichend Wasser (mind. 1,5 Liter pro Person)
Sonnenschutz (Hut, Sonnenbrille, Sonnencreme)
Kleine Erste-Hilfe-Ausrüstung
Wanderkarte oder Smartphone mit geladener Wander-App
Fotoapparat für die zahlreichen Fotomotive
FAZIT: EIN WANDERJUWEL FÜR GENIESSER
Der Siebenkögel-Rundweg ist eine Wanderung, die wir uneingeschränkt empfehlen können. Sie vereint moderate Anforderungen mit großartigen Landschaftserlebnissen und kulturhistorischen Besonderheiten. Die Tour eignet sich perfekt für einen ausgedehnten Wandertag und bietet Einblicke in die faszinierende Welt des Almenlandes.
Was diese Wanderung besonders macht, ist ihre Vielseitigkeit: Naturliebhaber kommen ebenso auf ihre Kosten wie Kulturinteressierte, Fotografen finden zahllose Motive, und Genusswanderer freuen sich über die moderate Steigung und die Einkehrmöglichkeiten.
Der Siebenkögel-Rundweg ist ein Paradebeispiel dafür, was die steirischen Almen so besonders macht: die harmonische Verbindung von Natur und Kultur, von Tradition und Moderne, von Anstrengung und Genuss. Wer diese 14,5 Kilometer gewandert ist, hat nicht nur eine schöne Tour absolviert, sondern auch ein tieferes Verständnis für die einzigartige Kulturlandschaft des Almenlandes gewonnen.
Also, Wanderschuhe schnüren und los – das Almenland wartet auf Sie!
Die Karstregion um Divača blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück. Der Begriff „Karst“ selbst leitet sich vom slowenischen Wort „kras“ ab und bezeichnet eine charakteristische Landschaftsform, die durch die Auflösung von Kalkstein durch Wasser entsteht. Die Region Kras/Karst erstreckt sich vom Nordosten Italiens bis nach Slowenien und gilt weltweit als Referenzgebiet für Karstphänomene.
Die ersten menschlichen Spuren in dieser Region reichen bis in die Steinzeit zurück. Archäologische Funde belegen, dass bereits vor etwa 10.000 Jahren Menschen in den zahlreichen Höhlen des Gebiets Zuflucht suchten. In der Antike war die Region Teil des römischen Reiches, wovon noch heute verschiedene Überreste zeugen.
Im Mittelalter war das Gebiet um Divača ein wichtiger Knotenpunkt auf den Handelsrouten zwischen dem Adriatischen Meer und dem Landesinneren. Die strategische Lage führte zu häufigen Machtwechseln – von den Habsburgern über die Venezianer bis hin zur napoleonischen Herrschaft und später zum österreichisch-ungarischen Reich.
Die wissenschaftliche Erforschung des Karstes begann im 19. Jahrhundert. Pioniere wie Adolf Schmidl und Jožef Cerkvenik erkundeten die unterirdischen Höhlensysteme und legten den Grundstein für die moderne Karstforschung. Die Höhle Divaška jama wurde 1884 entdeckt und bald darauf für Besucher zugänglich gemacht.
Eine besondere Bedeutung erlangte die Region mit dem Bau der Südbahn Wien-Triest im 19. Jahrhundert, die durch Divača führte und den Ort zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt machte. Dies förderte die wirtschaftliche Entwicklung und brachte auch die ersten Touristen in die Region, die von den Naturwundern des Karstes angezogen wurden.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall der Habsburgermonarchie wurde die Region Teil Italiens, bevor sie nach dem Zweiten Weltkrieg zu Jugoslawien kam. Seit 1991 gehört Divača zur unabhängigen Republik Slowenien und hat sich zu einem beliebten Ziel für Naturtourismus entwickelt.
Der karstforschende naturwissenschaftliche Lehrpfad Divaški Kras wurde in den 1990er Jahren angelegt, um Besuchern die einzigartigen geologischen, botanischen und zoologischen Besonderheiten der Region näherzubringen und gleichzeitig für den Schutz dieser empfindlichen Ökosysteme zu sensibilisieren.
Die Karstlandschaft und ihre Besonderheiten
Die Karstlandschaft um Divača ist ein faszinierendes Beispiel für die charakteristischen geologischen Prozesse, die zur Bildung von Karstphänomenen führen. Der Untergrund besteht hauptsächlich aus Kalkstein, der vor etwa 100 Millionen Jahren während der Kreidezeit aus Ablagerungen in einem flachen Meer entstand.
Das Besondere am Karst ist die Wirkung des Wassers auf den Kalkstein. Regenwasser nimmt beim Durchgang durch die Atmosphäre und den Boden Kohlendioxid auf und bildet Kohlensäure, die den Kalkstein langsam auflöst. Dieser chemische Prozess, die sogenannte Karbonatverwitterung, führt zur Bildung der typischen Oberflächenformen wie Karren, Dolinen und Poljen sowie zu unterirdischen Hohlräumen wie Höhlen und Grotten.
Eine der auffälligsten Oberflächenformen im Divaški Kras ist das Einbruchstal Risnik. Es entstand durch den Einsturz der Decke eines großen unterirdischen Hohlraums, einer ehemaligen Höhlenhalle. Solche Einsturzdolinen sind charakteristisch für fortgeschrittene Karstlandschaften und bieten einzigartige Mikroklimata, die oft seltene Pflanzen- und Tierarten beherbergen.
Die Karstlandschaft zeichnet sich auch durch das Fehlen von oberirdischen Wasserläufen aus. Das Regenwasser versickert schnell durch Spalten und Klüfte im Kalkstein und fließt unterirdisch ab. Dies führt zur Bildung komplexer unterirdischer Flusssysteme und Höhlen wie der Divaška jama, die Teil des weitverzweigten Höhlensystems der Region ist.
Ein weiteres typisches Merkmal des Karstes ist der rötliche Boden, die Terra Rossa. Dieser entsteht als unlöslicher Rückstand bei der Auflösung des Kalksteins und sammelt sich in Vertiefungen an. Trotz seiner geringen Mächtigkeit ermöglicht dieser Boden die Entwicklung einer erstaunlich vielfältigen Vegetation.
Die Karstlandschaft um Divača ist auch geprägt von der traditionellen menschlichen Nutzung. Jahrhundertelang haben die Bewohner Steine aus den Feldern gesammelt und zu Trockenmauern aufgeschichtet, die als Grundstücksgrenzen dienten und gleichzeitig Schutz vor der starken Bora, dem kalten Fallwind dieser Region, boten. Diese Kulturlandschaft mit ihren Trockenmauern, kleinen Feldern und Weideflächen trägt wesentlich zur Biodiversität bei.
Der Karstlehrpfad Divaški Kras führt durch verschiedene Landschaftsformen und ermöglicht es den Besuchern, die geologischen Prozesse und ihre Auswirkungen auf die Landschaft hautnah zu erleben und zu verstehen.
Flora und Fauna des Divaški Kras
Die Karstregion um Divača beherbergt eine erstaunliche Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten, die sich an die besonderen Bedingungen dieser Landschaft angepasst haben. Der Karstlehrpfad bietet zahlreiche Möglichkeiten, diese biologische Vielfalt zu entdecken und zu beobachten.
Die Vegetation des Divaški Kras ist geprägt vom Übergang zwischen mediterranem und kontinentalem Klima. Ursprünglich war die Region von Eichen-Hainbuchen-Wäldern bedeckt, die jedoch durch jahrhundertelange menschliche Nutzung stark verändert wurden. Heute findet man einen Mosaik aus verschiedenen Waldtypen, Gebüschen und offenen Flächen.
Besonders charakteristisch sind die Hopfenbuchen-Flaumeichenwälder, die an trockeneren Standorten wachsen. Die Flaumeiche (Quercus pubescens) mit ihren leicht behaarten Blättern und die Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) mit ihren hopfenähnlichen Fruchtständen sind typische Baumarten des Karstes. In feuchteren Bereichen, besonders in Dolinen und Einbruchstälern wie dem Risnik, gedeihen Hainbuchen (Carpinus betulus) und verschiedene Ahornarten.
Im Frühjahr verwandelt sich der Karstwald in einen bunten Blütenteppich. Zu den auffälligsten Frühlingsblühern gehören verschiedene Orchideenarten wie das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) und die Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea). Auch der Diptam (Dictamnus albus), eine alte Heilpflanze mit spektakulären rosa Blüten, ist hier zu finden.
Eine Besonderheit des Karstes sind die Pflanzen, die in den Einsturzdolinen wachsen. Durch das spezielle Mikroklima in diesen Vertiefungen – kühl und feucht am Grund, wärmer an den Rändern – können hier Arten nebeneinander existieren, die normalerweise in ganz unterschiedlichen Höhenlagen vorkommen.
Die Tierwelt des Divaški Kras ist ebenso vielfältig wie die Pflanzenwelt. Zahlreiche Vogelarten bevölkern die Wälder und Gebüsche, darunter der Pirol (Oriolus oriolus) mit seinem flötenden Gesang, der Wendehals (Jynx torquilla) und verschiedene Spechtarten. Mit etwas Glück kann man auch Greifvögel wie den Mäusebussard (Buteo buteo) oder den Turmfalken (Falco tinnunculus) beobachten.
Säugetiere wie Rehe, Füchse und Wildschweine leben in den Wäldern, sind aber meist scheu und werden selten gesehen. Häufiger zu beobachten sind verschiedene Eidechsenarten, die sich auf den sonnengewärmten Steinen aufwärmen.
Eine besondere Bedeutung haben die unterirdischen Lebensräume des Karstes. In den Höhlen und Spalten leben hochspezialisierte Tiere, die sich an die Dunkelheit und die konstanten Temperaturen angepasst haben. Der bekannteste Höhlenbewohner ist der Grottenolm (Proteus anguinus), ein blinder, pigmentloser Schwanzlurch, der nur in den Höhlengewässern des Dinarischen Karstes vorkommt.
Der Lehrpfad Divaški Kras bietet mit seinen Informationstafeln einen guten Einblick in diese faszinierende Tier- und Pflanzenwelt und sensibilisiert für die Notwendigkeit, diese einzigartigen Ökosysteme zu schützen.
Die Höhle Divaška jama
Die Höhle Divaška jama ist eines der Highlights des Karstlehrpfades und bietet einen faszinierenden Einblick in die unterirdische Welt des Karstes. Sie wurde 1884 von lokalen Höhlenforschern entdeckt und ist Teil eines größeren Höhlensystems, das sich unter der Oberfläche des Divaški Kras erstreckt.
Die Höhle entstand durch die lösende Wirkung des Wassers auf den Kalkstein. Über Jahrmillionen hat das kohlensäurehaltige Wasser den Kalkstein aufgelöst und dabei ein Netzwerk aus Gängen und Hallen geschaffen. Gleichzeitig führte die Ablagerung von Kalk zu der Bildung von beeindruckenden Tropfsteinformationen wie Stalaktiten, Stalagmiten und Säulen.
Der Eingang zur Höhle Divaška jama liegt am Rand des Einbruchstals Risnik. Von hier aus führt ein gut ausgebauter Weg in die Tiefe. Die Höhle besteht aus mehreren großen Hallen, die durch engere Gänge miteinander verbunden sind. Die größte Halle, der „Große Dom“, hat eine Höhe von etwa 15 Metern und ist reich an verschiedenen Tropfsteinformationen.
Besonders beeindruckend sind die sogenannten „Gardinen“ oder „Vorhänge“ – dünne, wellenförmige Kalksteinplatten, die von der Decke hängen und im Licht der Höhlenbeleuchtung fast durchscheinend wirken. Auch die „Sinterterrassen“, stufenförmige Ablagerungen, die durch das langsame Fließen von kalkhaltigem Wasser entstehen, sind ein faszinierender Anblick.
Die Höhle bietet ein konstantes Klima mit Temperaturen um 10-12°C und einer hohen Luftfeuchtigkeit von über 90%. Diese Bedingungen haben zur Entwicklung einer spezialisierten Höhlenfauna geführt. Neben verschiedenen Insekten und Spinnenarten kann man mit etwas Glück auch Fledermäuse beobachten, die die Höhle als Ruheplatz nutzen.
Die Divaška jama ist für Besucher zugänglich, allerdings nur im Rahmen geführter Touren, die vom Tourismusbüro Divača organisiert werden. Die Führungen dauern etwa eine Stunde und vermitteln interessante Informationen über die Entstehung der Höhle, ihre Entdeckung und die besonderen Lebensformen, die hier zu finden sind.
Die Höhle ist Teil des UNESCO-Welterbes „Klassischer Karst“, das die bedeutendsten Karstphänomene der Region umfasst. Der Besuch der Divaška jama ergänzt perfekt die Erkundung des oberirdischen Karstlehrpfades und vermittelt ein umfassendes Bild von den geologischen Prozessen, die diese einzigartige Landschaft geformt haben.
Der Karstlehrpfad im Detail
Der karstforschende naturwissenschaftliche Lehrpfad Divaški Kras ist ein Rundweg von 4,8 Kilometern Länge, der in etwa 2 bis 3 Stunden bequem zu bewältigen ist. Der Weg ist nicht anspruchsvoll und daher für Wanderer aller Altersgruppen geeignet, auch für Familien mit Kindern.
Der Karstlehrpfad kann an verschiedenen Punkten begonnen werden, am häufigsten wird jedoch der Ausgangspunkt am Rand von Divača gewählt, wo sich auch ein Parkplatz befindet. Von hier aus führt der Weg zunächst durch einen lichten Wald und erreicht bald das Einbruchstal Risnik, eines der Hauptattraktionen des Pfades.
Das Einbruchstal Risnik ist eine beeindruckende geologische Formation, die durch den Einsturz eines unterirdischen Höhlensaals entstanden ist. Der Karstlehrpfad führt entlang des Randes dieser Doline und bietet spektakuläre Ausblicke auf die steilen Felswände und den üppig bewachsenen Grund des Tals. Informationstafeln erklären die Entstehung dieser Karstform und weisen auf die besondere Vegetation hin, die durch das spezielle Mikroklima in der Doline gedeiht.
Nach der Umrundung des Risnik führt der Weg weiter durch typische Karstlandschaften mit ihren charakteristischen Oberflächenformen. Hier kann man verschiedene Arten von Karren beobachten – rillen- und rinnenförmige Vertiefungen im Kalkstein, die durch die lösende Wirkung des Regenwassers entstehen. Auch kleinere Dolinen, trichterförmige Einsenkungen im Karstboden, sind entlang des Karstlehrpfades zu sehen.
Ein weiterer Höhepunkt des Karstlehrpfades ist die Höhle Divaška jama. Der Eingang zur Höhle liegt am Rand des Pfades, und bei vorheriger Anmeldung im Tourismusbüro Divača kann eine Führung durch diese faszinierende Unterwelt arrangiert werden.
Entlang des gesamten Weges informieren zahlreiche Tafeln über die geologischen, botanischen und zoologischen Besonderheiten des Karstes. Die Tafeln sind in slowenischer, italienischer, englischer und deutscher Sprache verfasst und mit anschaulichen Illustrationen versehen. Sie erklären nicht nur die sichtbaren Phänomene, sondern vermitteln auch Wissen über die historische Nutzung der Landschaft durch den Menschen und die Bedeutung des Naturschutzes in dieser empfindlichen Umgebung.
Besonders im Frühling und Herbst ist der Karstlehrpfad ein Erlebnis für alle Sinne. Die vielfältige Vegetation mit ihren wechselnden Farben, der Duft der mediterranen Kräuter und das Konzert der zahlreichen Vogelarten schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Mit etwas Glück kann man auch größere Tiere wie Rehe oder Füchse beobachten, die in den Wäldern des Divaški Kras leben.
Der Pfad ist gut markiert und mit Richtungspfeilen versehen, sodass eine Orientierung leicht fällt. An mehreren Stellen gibt es Rastplätze mit Bänken, die zum Verweilen und Genießen der Landschaft einladen.
Praktische Tipps für Besucher
Beste Reisezeit
Der Karstlehrpfad Divaški Kras kann grundsätzlich das ganze Jahr über begangen werden, besonders empfehlenswert sind jedoch der Frühling und der Herbst. Im Frühling (April bis Juni) zeigt sich die Karstvegetation von ihrer farbenprächtigsten Seite, mit zahlreichen blühenden Pflanzen und einer regen Vogelwelt. Der Herbst (September bis Oktober) bietet angenehme Temperaturen und eine schöne Färbung der Laubwälder.
Im Sommer kann es auf dem Karst sehr heiß werden, daher empfiehlt es sich, die Wanderung in den frühen Morgenstunden zu beginnen und ausreichend Wasser mitzunehmen. Im Winter kann der Weg bei Schnee oder Eis rutschig sein, und die Bora, ein kalter Fallwind, kann für unangenehme Bedingungen sorgen.
Ausrüstung
Für den Karstlehrpfad Divaški Kras empfiehlt sich folgende Ausrüstung:
Bequeme, feste Wanderschuhe mit gutem Profil
Der Jahreszeit angepasste Kleidung (im Sommer leichte, aber sonnenschützende Kleidung, im Winter warme Kleidung und Windschutz)
Sonnenschutz (Hut, Sonnenbrille, Sonnencreme)
Ausreichend Wasser (mindestens 1 Liter pro Person)
Kleine Snacks oder Picknick
Kamera für die beeindruckenden Landschaftsformationen
Fernglas für die Vogelbeobachtung
Regenschutz, da das Wetter im Karst schnell umschlagen kann
Für den Besuch der Höhle Divaška jama sollte zusätzlich warme Kleidung mitgenommen werden, da in der Höhle konstant kühle Temperaturen von 10-12°C herrschen.
Anreise und Parkmöglichkeiten
Divača ist gut mit dem Auto zu erreichen. Von Ljubljana aus folgt man der Autobahn A1 in Richtung Koper und nimmt die Ausfahrt Divača. Von Triest (Italien) kommend folgt man der Straße E61/E70 in Richtung Ljubljana bis Divača.
In Divača gibt es mehrere Parkmöglichkeiten in der Nähe des Startpunktes des Lehrpfades. Ein ausgewiesener Parkplatz befindet sich am Rand des Ortes, von wo aus der Lehrpfad gut ausgeschildert ist.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Divača ebenfalls gut erreichbar. Der Ort verfügt über einen Bahnhof mit regelmäßigen Verbindungen nach Ljubljana und Koper. Vom Bahnhof aus ist der Startpunkt des Lehrpfades in etwa 15-20 Minuten zu Fuß zu erreichen.
Einkehrmöglichkeiten
In Divača gibt es mehrere Restaurants und Cafés, in denen man sich vor oder nach der Wanderung stärken kann. Besonders empfehlenswert sind lokale Spezialitäten wie der Karst-Schinken (kraški pršut) und der Teran-Wein, der auf den roten Böden des Karstes angebaut wird.
Entlang des Karstlehrpfades selbst gibt es keine Einkehrmöglichkeiten, daher empfiehlt es sich, ausreichend Wasser und eventuell einen kleinen Snack mitzunehmen.
Für Familien mit Kindern
Der Karstlehrpfad Divaški Kras ist auch für Familien mit Kindern gut geeignet. Die Strecke ist nicht zu lang und bietet viele interessante Entdeckungsmöglichkeiten für Kinder. Die Informationstafeln sind anschaulich gestaltet und vermitteln Wissen auf eine kindgerechte Weise.
Besonders spannend für Kinder ist der Besuch der Höhle Divaška jama, der jedoch nur im Rahmen einer geführten Tour möglich ist. Die Führungen sind in der Regel auch für Kinder ab etwa 5 Jahren geeignet, allerdings sollte man bedenken, dass es in der Höhle kühl ist und einige Passagen etwas eng sein können.
Kulturelle und naturkundliche Bedeutung
Der karstforschende naturwissenschaftliche Karstlehrpfad Divaški Kras hat nicht nur einen hohen Erholungswert für Besucher, sondern erfüllt auch wichtige Funktionen in Bezug auf Bildung, Forschung und Naturschutz.
Die Region um Divača ist von großer wissenschaftlicher Bedeutung für die Karstforschung. Der Begriff „Karst“ selbst leitet sich von dieser Region ab und wird weltweit für ähnliche Landschaftsformen verwendet. Die hier zu beobachtenden geologischen Prozesse und Formationen dienen als Referenz für Wissenschaftler aus aller Welt.
Der Karstlehrpfad trägt dazu bei, dieses Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die informativen Tafeln entlang des Weges vermitteln grundlegende Kenntnisse über die Entstehung von Karstlandschaften, die typischen Oberflächenformen und die unterirdischen Prozesse. Sie erklären auch die Zusammenhänge zwischen der geologischen Unterlage, dem Klima, der Vegetation und der Tierwelt.
Besondere Aufmerksamkeit wird dem Thema Wasser gewidmet. Im Karst versickert das Regenwasser schnell und fließt unterirdisch ab, was zu einer besonderen Verwundbarkeit gegenüber Verschmutzungen führt. Die Informationstafeln sensibilisieren für die Notwendigkeit, diese wichtige Ressource zu schützen.
Der Karstlehrpfad hat auch eine wichtige kulturhistorische Dimension. Er zeigt, wie die Menschen seit Jahrhunderten mit den besonderen Bedingungen des Karstes umgegangen sind und wie sie die Landschaft durch ihre Aktivitäten geprägt haben. Die traditionelle Landnutzung mit ihren Trockenmauern, kleinen Feldern und Weideflächen hat zur Entstehung einer einzigartigen Kulturlandschaft beigetragen, die heute als schützenswert gilt.
Die Höhle Divaška jama und das Einbruchstal Risnik sind nicht nur geologisch interessant, sondern haben auch eine kulturelle Bedeutung. Sie sind mit lokalen Legenden und Geschichten verbunden und haben die Fantasie der Menschen seit jeher angeregt.
Der Karstlehrpfad ist Teil eines größeren Netzwerks von Naturschutz- und Bildungseinrichtungen in der Region. Er steht in Verbindung mit dem Naturpark Škocjanske jame, der zum UNESCO-Welterbe gehört, und mit anderen Karstphänomenen wie der berühmten Höhle von Postojna. Gemeinsam bilden diese Attraktionen ein umfassendes Angebot für Besucher, die sich für die faszinierende Welt des Karstes interessieren.
Durch die Kombination von Naturerlebnis, wissenschaftlicher Information und kulturhistorischen Bezügen bietet der Karstlehrpfad Divaški Kras einen ganzheitlichen Zugang zum Verständnis dieser einzigartigen Landschaft und trägt dazu bei, ihr Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren.
Fazit: Ein Naturerlebnis für alle Sinne
Der karstforschende naturwissenschaftliche Karstlehrpfad Divaški Kras bietet ein umfassendes und bereicherndes Naturerlebnis, das alle Sinne anspricht. Auf einer Länge von 4,8 Kilometern führt er durch eine der faszinierendsten Landschaften Sloweniens und vermittelt dabei wertvolles Wissen über die geologischen, botanischen und zoologischen Besonderheiten des Karstes.
Die Wanderung beginnt am Rand von Divača und führt zunächst zum beeindruckenden Einbruchstal Risnik, das durch den Einsturz eines unterirdischen Höhlensaals entstanden ist. Die steilen Felswände und der üppig bewachsene Grund dieser Doline bieten einen spektakulären Anblick und zeigen eindrucksvoll die Kräfte, die diese Landschaft geformt haben.
Weiter geht es durch typische Karstlandschaften mit ihren charakteristischen Oberflächenformen wie Karren und Dolinen. Die vielfältige Vegetation, die sich an die besonderen Bedingungen des Karstes angepasst hat, beeindruckt besonders im Frühling mit ihrer Farbenpracht. Mit etwas Glück kann man auch Vertreter der reichen Tierwelt beobachten, von zahlreichen Vogelarten bis hin zu scheuen Waldbewohnern wie Rehen und Füchsen.
Ein Höhepunkt des Karstlehrpfades ist die Höhle Divaška jama, die bei einer geführten Tour erkundet werden kann. Die unterirdische Welt mit ihren beeindruckenden Tropfsteinformationen bildet einen faszinierenden Kontrast zur Oberfläche und vervollständigt das Bild der Karstlandschaft.
Entlang des gesamten Weges informieren zahlreiche Tafeln über die Besonderheiten der Region und vermitteln Wissen auf eine anschauliche und unterhaltsame Weise. Sie regen zum Nachdenken über die komplexen Zusammenhänge in der Natur an und sensibilisieren für die Notwendigkeit, diese einzigartige Landschaft zu schützen.
Der Karstlehrpfad Divaški Kras ist nicht nur ein lohnendes Ziel für Naturliebhaber und Wanderer, sondern auch für Familien mit Kindern, die auf spielerische Weise die Wunder der Natur entdecken möchten. Die moderate Länge und der geringe Schwierigkeitsgrad machen ihn für ein breites Publikum zugänglich.
Wer sich für Geologie, Botanik, Zoologie oder einfach für schöne Landschaften interessiert, wird auf dem karstforschenden naturwissenschaftlichen Karstlehrpfad Divaški Kras auf seine Kosten kommen und mit unvergesslichen Eindrücken und neuem Wissen nach Hause zurückkehren.
Učna pot Divaški Kras: Raziskovanje kraških pojavov
Metabesedilo
Odkrijte učno pot Divaški kras – očarljivo krožno pot skozi tipično kraško pokrajino z vpogledom v geološke formacije, raznoliko floro in favno ter impresivno Divaško jamo.
Zgodovina regije
Kraška regija okoli Divače ima tisočletno zgodovino. Sam izraz „kras“ izvira iz slovenske besede „kras“ in označuje značilno pokrajinsko obliko, ki nastane z raztapljanjem apnenca zaradi vode. Regija Kras se razteza od severovzhodne Italije do Slovenije in velja za svetovno referenčno območje za kraške pojave.
Prvi človeški sledovi v tej regiji segajo v kameno dobo. Arheološke najdbe dokazujejo, da so že pred približno 10.000 leti ljudje iskali zatočišče v številnih jamah tega območja. V antiki je bila regija del rimskega imperija, o čemer še danes pričajo različni ostanki.
V srednjem veku je bilo območje okoli Divače pomembno križišče na trgovskih poteh med Jadranskim morjem in notranjostjo. Strateška lega je privedla do pogostih menjav oblasti – od Habsburžanov preko Benečanov do napoleonske vladavine in kasneje do avstro-ogrskega cesarstva.
Znanstveno raziskovanje krasa se je začelo v 19. stoletju. Pionirji kot sta Adolf Schmidl in Jožef Cerkvenik so raziskovali podzemne jamske sisteme in postavili temelje za sodobno kraško raziskovanje. Divaška jama je bila odkrita leta 1884 in kmalu zatem odprta za obiskovalce.
Poseben pomen je regija dobila z izgradnjo južne železnice Dunaj-Trst v 19. stoletju, ki je potekala skozi Divačo in kraj spremenila v pomembno železniško vozlišče. To je spodbudilo gospodarski razvoj in v regijo pripeljalo tudi prve turiste, ki jih je privlačila naravna čudesa krasa.
Po prvi svetovni vojni in razpadu habsburške monarhije je regija postala del Italije, preden je po drugi svetovni vojni prišla k Jugoslaviji. Od leta 1991 Divača pripada neodvisni Republiki Sloveniji in se je razvila v priljubljen cilj za naravni turizem.
Naravoslovna učna pot Divaški kras je bila urejena v 90. letih prejšnjega stoletja, da bi obiskovalcem približala edinstvene geološke, botanične in zoološke posebnosti regije ter hkrati ozaveščala o zaščiti teh občutljivih ekosistemov.
Kraška pokrajina in njene posebnosti
Kraška pokrajina okoli Divače je fascinanten primer značilnih geoloških procesov, ki vodijo do nastanka kraških pojavov. Podlaga je sestavljena predvsem iz apnenca, ki je nastal pred približno 100 milijoni let v času krede iz usedlin v plitvem morju.
Posebnost krasa je učinek vode na apnenec. Deževnica pri prehodu skozi atmosfero in tla absorbira ogljikov dioksid in tvori ogljikovo kislino, ki počasi raztaplja apnenec. Ta kemični proces, tako imenovano karbonatno preperevanje, vodi do nastanka tipičnih površinskih oblik, kot so škraplje, vrtače in polja, ter podzemnih prostorov, kot so
Waldquelle Kraftquellenweg: Wandern auf den Spuren der Geschichte im Mittelburgenland
Die Geschichte der Region entlang des Kraftquellenweg
Die Geschichte der Landseer Berge und ihrer Umgebung reicht weit zurück. Die Region im Mittelburgenland war bereits in der Bronzezeit besiedelt, wovon archäologische Funde zeugen. Besondere historische Bedeutung erlangte das Gebiet im Mittelalter mit dem Bau der Burg Landsee im 13. Jahrhundert, die als Grenzfestung zwischen dem Königreich Ungarn und dem Herzogtum Österreich diente.
Die Burg Landsee wurde erstmals 1250 urkundlich erwähnt und war über Jahrhunderte im Besitz verschiedener Adelsfamilien, darunter die Mattersdorfer-Forchtensteiner und später die Esterházy. Sie entwickelte sich zu einer der größten Festungsanlagen der Region und bot Schutz für die umliegenden Siedlungen. Nach mehreren Belagerungen und einem verheerenden Brand im Jahr 1790 wurde die Burg aufgegeben und verfiel zur Ruine.
Die Region um Kobersdorf und Landsee war auch durch eine bedeutende jüdische Gemeinde geprägt. Seit dem 17. Jahrhundert siedelten sich jüdische Familien in Kobersdorf an und prägten das kulturelle und wirtschaftliche Leben. Der „Judensteig“, über den der Waldquelle Kraftquellenweg teilweise führt, zeugt von dieser Geschichte – er war eine wichtige Handelsroute für jüdische Kaufleute zwischen Kobersdorf und der Burg Landsee.
Geologisch ist die Region durch den Pauliberg besonders interessant. Als jüngster erloschener Vulkan Österreichs (etwa 2 Millionen Jahre alt) hat er die Landschaft und die Wasserqualität maßgeblich beeinflusst. Das mineralreiche Wasser, das durch die vulkanischen Gesteinsschichten sickert, wird heute als „Waldquelle Mineralwasser“ abgefüllt und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region.
In jüngerer Zeit hat sich das Gebiet zu einem beliebten Naherholungsgebiet entwickelt. Der Naturpark Landseer Berge wurde 2006 gegründet und umfasst sechs Gemeinden. Mit der Einrichtung des Waldquelle Kraftquellenwegs, der von der bekannten burgenländischen Krimiautorin Martina Parker literarisch begleitet wird, hat die Region eine weitere kulturelle Attraktion gewonnen.
Die Landseer Berge und der Naturpark
Die Landseer Berge bilden eine sanfte Hügellandschaft im Mittelburgenland an der Grenze zu Niederösterreich. Mit Höhen zwischen 300 und 700 Metern bieten sie eine abwechslungsreiche Landschaft, die von dichten Wäldern, Wiesen und kleinen Bächen durchzogen ist. Der höchste Punkt ist der Pauliberg mit 748 Metern, der als jüngster erloschener Vulkan Österreichs geologisch besonders interessant ist.
Der Naturpark Landseer Berge wurde 2006 gegründet und umfasst eine Fläche von etwa 6.700 Hektar. Er erstreckt sich über die Gemeinden Kobersdorf, Markt St. Martin, Lackenbach, Lackendorf, Neckenmarkt und Horitschon. Der Naturpark zeichnet sich durch seine biologische Vielfalt aus – über 60% der Fläche sind von Wäldern bedeckt, in denen Eichen, Buchen, Fichten und Kiefern dominieren.
Die Flora der Landseer Berge ist besonders vielfältig. Im Frühjahr verwandeln Buschwindröschen, Leberblümchen und Waldveilchen den Waldboden in einen bunten Teppich. Später im Jahr blühen seltene Orchideenarten wie das Knabenkraut. Die Wälder bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten, darunter Rehe, Wildschweine, Füchse und verschiedene Vogelarten wie Schwarzspecht und Waldkauz.
Das Klima der Region ist pannonisch geprägt, mit warmen, trockenen Sommern und kalten Wintern. Diese klimatischen Bedingungen in Kombination mit den vulkanischen Böden schaffen ideale Voraussetzungen für den Weinbau, der im Mittelburgenland eine lange Tradition hat. Die Region ist besonders für ihre Rotweine bekannt, allen voran den Blaufränkisch.
Der Pauliberg als geologisches Highlight der Region entstand vor etwa 2 Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität. Das Basaltgestein des Berges wird bis heute in einem Steinbruch abgebaut und für den Straßenbau verwendet. Die vulkanischen Gesteine filtern das Regenwasser auf seinem Weg in die Tiefe und reichern es mit wertvollen Mineralien an – die Grundlage für das Waldquelle Mineralwasser.
Der Naturpark Landseer Berge hat sich dem nachhaltigen Tourismus verschrieben und bietet neben dem Waldquelle Kraftquellenweg zahlreiche weitere Wander- und Radwege, Naturlehrpfade und geführte Exkursionen an. Besonders beliebt sind die Vollmondwanderungen zur Burgruine Landsee, die ein magisches Erlebnis bieten.
Die Burgruine Landsee
Die Burgruine Landsee thront majestätisch auf einem 550 Meter hohen Hügel und zählt zu den größten und beeindruckendsten Burgruinen Mitteleuropas. Mit einer Grundfläche von etwa 76.000 Quadratmetern bietet sie ein imposantes Zeugnis mittelalterlicher Befestigungskunst.
Die Burg wurde vermutlich im frühen 13. Jahrhundert errichtet und diente als wichtige Grenzfestung zwischen dem Königreich Ungarn und dem Herzogtum Österreich. Der Name „Landsee“ leitet sich nicht von einem See ab, sondern vom ungarischen „Lánzsér“, was so viel wie „Lanzenträger“ bedeutet – ein Hinweis auf die militärische Bedeutung der Anlage.
Die Burganlage gliedert sich in mehrere Bereiche: die Vorburg, die Hochburg und den mächtigen Donjon (Wohnturm). Der Donjon ist mit seinen fünf Stockwerken und einer Höhe von etwa 25 Metern das Herzstück der Anlage und bietet heute einen atemberaubenden Panoramablick über das Mittelburgenland bis zum Neusiedler See und in die Bucklige Welt.
Im Laufe ihrer Geschichte wechselte die Burg mehrfach den Besitzer. Zu den bedeutendsten Eigentümern zählten die Grafen von Mattersdorf-Forchtenstein und später die Familie Esterházy, die die Burg bis zu ihrem Verfall besaß. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1790 wurde die Burg aufgegeben und verfiel zur Ruine.
Heute ist die Burgruine Landsee ein beliebtes Ausflugsziel und kann von April bis Mitte November täglich von 9:00 bis 16:00 Uhr gegen ein kleines Eintrittsgeld besichtigt werden. Besonders beeindruckend sind die massiven Mauern, die teilweise bis zu 4 Meter dick sind, und die gut erhaltenen Gewölbekeller. Der Aufstieg auf den Donjon wird mit einem spektakulären Rundumblick belohnt.
In den Sommermonaten finden in der Burgruine verschiedene Veranstaltungen statt, darunter Konzerte, Theateraufführungen und mittelalterliche Feste. Besonders stimmungsvoll sind die Vollmondführungen, bei denen die Burg in magisches Licht getaucht wird.
Rund um die Burgruine führt ein schöner Waldpfad, der zu jeder Jahreszeit einen angenehmen Spaziergang ermöglicht. Nur wenige Schritte von der Burgruine entfernt liegt der idyllische Waldfriedhof Landsee, auf dem auch die burgenländische Schriftstellerin und Lyrikerin Mida Huber (1880-1974) ihre letzte Ruhestätte gefunden hat.
Der Waldquelle Kraftquellenweg im Detail
Der Waldquelle Kraftquellenweg ist ein etwa 6,4 Kilometer langer Rundwanderweg, der von Kobersdorf zur Burgruine Landsee führt. Mit einem Höhenunterschied von 300 Metern (von 321 m bis 621 m) ist er als mittelschwer eingestuft und für geübte Wanderer sowie Familien mit älteren Kindern gut geeignet.
Der Waldquelle Kraftquellenweg beginnt an der alten Dorflinde gegenüber dem Gasthof zum Dorfwirt in Kobersdorf. Von dort folgt man der Theodor-Kery-Straße bis zum Waldhof, hält sich rechts und verlässt das Ortsgebiet. Nach einem kurzen Stück auf der Gemeindestraße biegt man links auf die Brücke über den Mühlbach ab, wo eine große Infotafel den offiziellen Einstieg in den Waldquelle Kraftquellenweg markiert.
Der Kraftquellenweg führt unter stetigem Anstieg immer tiefer in die waldreiche Region der Landseer Berge. Auf breiten, sonnenbeschienenen Forststraßen und schmaleren Forstwegen geht es bergauf, wobei sich immer wieder herrliche Ausblicke auf die weite Landschaft des Mittelburgenlandes mit ihrem schier endlosen Horizont bieten.
Entlang des Weges finden sich zehn Kraftquellen-Infotafeln, auf denen die burgenländische Krimiautorin Martina Parker durch die Charaktere aus ihren beliebten Gartenkrimis Wissenswertes zur Entstehung von Mineralwasser, zur Geologie und Natur der umliegenden Wälder und weitere spannende Fakten zur Region vermittelt. Mit typisch burgenländischem Lokalkolorit und Humor werden die Informationen unterhaltsam präsentiert.
Ein besonderes Highlight des Kraftquellenweg ist der historische „Judensteig“, den bereits vor Jahrhunderten jüdische Händler nutzten, um ihre Waren von Kobersdorf zur Burg Landsee und weiter ins heutige Niederösterreich zu transportieren. Dieser schmale Waldpfad führt durch dichten, schattigen Wald und steigt im letzten Abschnitt steil zur Burgruine hinauf.
Nach dieser letzten, anstrengenden Etappe erreicht man einen außergewöhnlichen Picknickplatz aus massiven Pauliberg-Basaltsteinen, der sich für eine wohlverdiente Rast anbietet. Von hier aus sind es nur noch wenige Schritte bis zur imposanten Burgruine Landsee, deren mächtige Mauern bereits sichtbar sind.
Für den Rückweg gibt es zwei Optionen: Man kann entweder auf demselben Kraftquellenweg nach Kobersdorf zurückwandern oder das Burgenländische Anruf-Sammeltaxi (BAST) nutzen, das einen zum Linienbustarif zurück nach Kobersdorf bringt. Der BAST-Haltepunkt befindet sich an der Landesstraße an der Zufahrt zur Burgruine.
Die Besonderheit des Waldquelle Mineralwassers
Eine geologische Besonderheit der Region ist der Pauliberg, der mit einem Alter von etwa 2 Millionen Jahren als jüngster erloschener Vulkan Österreichs gilt. In seinen Tiefen entsteht ein wahrer Naturschatz: das Waldquelle Mineralwasser, das mit wertvollen Mineralien angereichert ist und im nahen Kobersdorf abgefüllt wird.
Der vulkanische Ursprung des Paulibergs spielt eine entscheidende Rolle für die Qualität des Mineralwassers. Das Regenwasser sickert durch verschiedene Gesteinsschichten und wird dabei auf natürliche Weise gefiltert und mit Mineralien angereichert. Besonders die Basaltschichten des Vulkans tragen zur einzigartigen Zusammensetzung des Wassers bei.
Das Waldquelle Mineralwasser zeichnet sich durch einen ausgewogenen Mineraliengehalt aus. Es enthält wichtige Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Hydrogencarbonat in einer für den menschlichen Körper gut verwertbaren Form. Calcium ist wichtig für gesunde Knochen und Zähne, Magnesium unterstützt die Muskelfunktion, und Hydrogencarbonat hilft, den Säure-Basen-Haushalt des Körpers zu regulieren.
Die Waldquelle Kobersdorf GmbH, die das Mineralwasser abfüllt, wurde 1830 gegründet und zählt damit zu den traditionsreichsten Mineralwasserabfüllern Österreichs. Heute ist das Unternehmen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region und beschäftigt zahlreiche Mitarbeiter. Die Abfüllung erfolgt direkt am Quellort, um die Frische und Qualität des Wassers zu erhalten.
Das Unternehmen legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Die Quellen werden sorgsam bewirtschaftet, um eine langfristige Nutzung zu gewährleisten. Zudem werden umweltfreundliche Verpackungsmaterialien verwendet und der Energieverbrauch bei der Produktion kontinuierlich optimiert.
Der Waldquelle Kraftquellenweg, der nach dem Mineralwasser benannt ist, verbindet die Naturerfahrung des Wanderns mit Informationen über die Entstehung und Bedeutung dieses regionalen Naturprodukts. Die Infotafeln entlang des Weges vermitteln Wissen über die geologischen Prozesse, die zur Bildung des Mineralwassers führen, und über die Bedeutung von Wasser für Mensch und Natur.
Martina Parker und ihre literarische Verbindung zum Weg
Der Waldquelle Kraftquellenweg wird auf besondere Weise durch die literarische Begleitung der bekannten burgenländischen Krimiautorin Martina Parker bereichert. Parker, die für ihre humorvollen und regionalverwurzelten „Gartenkrimis“ bekannt ist, hat für die zehn Infotafeln entlang des Weges unterhaltsame und informative Texte verfasst.
Martina Parker wurde in Oberpullendorf im Mittelburgenland geboren und ist tief mit ihrer Heimatregion verbunden. Nach einer Karriere als Journalistin veröffentlichte sie 2015 ihren ersten Krimi „Zuagroast“ und etablierte sich schnell als erfolgreiche Regionalkrimiautorin. Ihre „Gartenkrimis“ spielen im fiktiven burgenländischen Ort Rust am See und zeichnen sich durch liebevoll gezeichnete Charaktere, burgenländischen Dialekt und eine gute Portion Humor aus.
Für den Waldquelle Kraftquellenweg hat Parker die Figuren aus ihren Romanen zum Leben erweckt. Auf den Infotafeln erzählen Charaktere wie die neugierige Gärtnerin Elfriede Haider, der pensionierte Polizist Franz Sifkovits oder die Dorfklatschbase Resi Wurzer Wissenswertes über die Region, die Entstehung des Mineralwassers und die Geschichte der Burgruine Landsee.
Die Texte sind im typischen Parker-Stil verfasst: informativ, aber nie trocken, gespickt mit burgenländischem Lokalkolorit und humorvollen Dialogen. So wird die Wanderung nicht nur zu einem Naturerlebnis, sondern auch zu einer unterhaltsamen literarischen Reise durch die Region.
Die Verbindung von Literatur und Wandern schafft einen Mehrwert für beide Seiten: Fans von Martina Parkers Büchern können die Schauplätze und die Atmosphäre ihrer Geschichten hautnah erleben, während Wanderer durch die unterhaltsamen Texte zusätzliche Informationen über die Region erhalten und vielleicht Lust bekommen, eines von Parkers Büchern zu lesen.
Diese Form der literarischen Wegbegleitung ist ein innovatives Konzept, das den Waldquelle Kraftquellenweg von anderen Wanderwegen abhebt und ihm einen einzigartigen kulturellen Mehrwert verleiht. Es zeigt, wie Literatur dazu beitragen kann, eine Region erlebbar zu machen und ihre Besonderheiten zu vermitteln.
Praktische Tipps für Wanderer
Beste Reisezeit
Der Waldquelle Kraftquellenweg kann grundsätzlich ganzjährig begangen werden, jedoch bieten Frühling und Herbst die angenehmsten Bedingungen. Im Frühling (April bis Juni) erwacht die Natur zu neuem Leben, und der Waldboden ist mit Frühlingsblumen wie Buschwindröschen und Leberblümchen bedeckt. Der Herbst (September bis Oktober) verzaubert mit seiner Farbenpracht, wenn sich die Blätter der Buchen und Eichen golden und rot färben. Im Sommer kann es sehr heiß werden, daher empfiehlt sich ein früher Start am Morgen. Im Winter kann der Weg bei Schnee und Eis rutschig sein, besonders im steilen Abschnitt des Judensteigs.
Ausrüstung
Für den Waldquelle Kraftquellenweg empfiehlt sich folgende Ausrüstung:
Festes Schuhwerk mit gutem Profil (Wanderschuhe)
Der Jahreszeit angepasste, sportliche Kleidung (Zwiebelprinzip)
Regen- und Sonnenschutz (Regenjacke, Sonnenhut, Sonnenbrille, Sonnencreme)
Ausreichend Trinkwasser (mindestens 1,5 Liter pro Person)
Kleine Snacks oder Picknick für unterwegs
Wanderkarte oder GPS-Gerät
Mobiltelefon für Notfälle
Eventuell Wanderstöcke für den steilen Auf- und Abstieg
Kamera für die beeindruckenden Ausblicke und die Burgruine
Anreise und Parkmöglichkeiten
Der Ausgangspunkt des Waldquelle Kraftquellenwegs in Kobersdorf ist mit dem Auto gut erreichbar. Von Wien aus fährt man über die A2 und S31 nach Kobersdorf (etwa 1 Stunde Fahrzeit). In Kobersdorf gibt es Parkmöglichkeiten in der Nähe des Startpunkts bei der alten Dorflinde.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise etwas komplizierter: Mit der Bahn fährt man bis Wiener Neustadt oder Mattersburg und dann mit dem Bus nach Kobersdorf. Es empfiehlt sich, die Verbindungen vorab zu prüfen, da die Taktung nicht sehr dicht ist.
Einkehrmöglichkeiten entlang des Kraftquellenweg
In Kobersdorf gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten für vor oder nach der Wanderung:
Gasthof zum Dorfwirtn & Pizzeria Trattoria di Crystall: direkt am Startpunkt, bietet traditionelle burgenländische Küche und italienische Spezialitäten
Café Einspruch: gemütliches Café mit hausgemachten Kuchen und kleinen Snacks
An der Burgruine Landsee selbst gibt es keine gastronomischen Einrichtungen, daher empfiehlt es sich, ausreichend Proviant mitzunehmen.
Für Familien mit Kindern
Der Waldquelle Kraftquellenweg ist für Familien mit wandererfahrenen Kindern ab etwa 8-10 Jahren geeignet. Der steile Anstieg durch den Judensteig kann für jüngere Kinder anstrengend sein. Die Infotafeln mit den unterhaltsamen Geschichten von Martina Parker und natürlich die imposante Burgruine bieten jedoch spannende Erlebnisse für Kinder. Für den Besuch der Burgruine sollte man zusätzliche Zeit einplanen.
Kulturelle Highlights in der Umgebung
Die Region rund um den Waldquelle Kraftquellenweg bietet zahlreiche kulturelle Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch wert sind und sich ideal mit der Wanderung verbinden lassen.
Schloss-Spiele Kobersdorf
Das Schloss Kobersdorf, ein Renaissance-Schloss aus dem 16. Jahrhundert, ist Schauplatz der jährlich im Juli stattfindenden Schloss-Spiele. Unter der künstlerischen Leitung des bekannten österreichischen Schauspielers Wolfgang Böck werden hier hochkarätige Theaterproduktionen aufgeführt, die Besucher aus dem ganzen Land anziehen. Das historische Ambiente des Schlosshofes bietet eine einzigartige Kulisse für die Aufführungen.
Synagoge Kobersdorf
Die ehemalige Synagoge in Kobersdorf erinnert an die bedeutende jüdische Gemeinde, die hier vom 17. Jahrhundert bis zur NS-Zeit existierte. Das Gebäude wurde in den letzten Jahren aufwändig renoviert und dient heute als Kultur-, Wissenschafts- und Bildungszentrum. Regelmäßige Ausstellungen, Konzerte und Vorträge machen die Synagoge zu einem lebendigen Ort der Erinnerung und Begegnung.
Waldfriedhof Landsee
Nur wenige Schritte von der Burgruine Landsee entfernt liegt der idyllische Waldfriedhof Landsee. Hier befindet sich auch das Grab der burgenländischen Schriftstellerin und Lyrikerin Mida Huber (1880-1974), die in ihren Werken oft die Landschaft und das Leben im Burgenland thematisierte. Der friedvolle Ort lädt zum Innehalten und Nachdenken ein.
Naturpark-Informationszentrum
Im Naturpark-Informationszentrum in Kobersdorf erhalten Besucher umfassende Informationen über die Flora, Fauna und Geologie des Naturparks Landseer Berge. Interaktive Ausstellungen und Multimedia-Präsentationen machen die Besonderheiten der Region erlebbar. Das Zentrum bietet auch geführte Exkursionen und Workshops für Kinder und Erwachsene an.
Pauliberg-Basaltsteinbruch
Der Basaltsteinbruch am Pauliberg ist ein beeindruckendes Zeugnis der vulkanischen Vergangenheit der Region. Bei geführten Touren können Besucher mehr über die Entstehung des Vulkans und die Gewinnung des Basalts erfahren. Die schwarzen Basaltsäulen bieten ein faszinierendes geologisches Schauspiel.
Weinkultur im Mittelburgenland
Das Mittelburgenland ist bekannt für seinen Weinbau, insbesondere für den Blaufränkisch. Zahlreiche Weingüter in der Umgebung bieten Verkostungen und Führungen an. Die Weinstraße Mittelburgenland führt durch malerische Weinorte und bietet Einblicke in die Tradition des Weinbaus in der Region.
Fazit: Ein Wandererlebnis für alle Sinne
Der Waldquelle Kraftquellenweg bietet ein ganzheitliches Wandererlebnis, das Natur, Geschichte, Kultur und Literatur auf einzigartige Weise verbindet. Die Kombination aus beeindruckender Landschaft, historischen Stätten und unterhaltsamer literarischer Begleitung macht diesen Weg zu einem besonderen Ausflugsziel im Mittelburgenland.
Die mittelschwere Wanderung am Kraftquellenweg führt durch die vielfältigen Wälder der Landseer Berge und belohnt mit spektakulären Ausblicken und dem Besuch einer der größten Burgruinen Mitteleuropas. Die zehn Infotafeln entlang des Weges, gestaltet von der Krimiautorin Martina Parker, vermitteln auf unterhaltsame Weise Wissen über die Region, ihre Geschichte und die Entstehung des Waldquelle Mineralwassers.
Der Kraftquellenweg ist für geübte Wanderer ebenso geeignet wie für Familien mit älteren Kindern und bietet mit seinen 6,4 Kilometern und 300 Höhenmetern eine angenehme Herausforderung. Die Möglichkeit, mit dem Anruf-Sammeltaxi zurückzufahren, macht die Tour auch für weniger ausdauernde Wanderer attraktiv.
Die kulturellen Highlights in der Umgebung, wie die Schloss-Spiele Kobersdorf, die renovierte Synagoge und der Pauliberg-Basaltsteinbruch, laden dazu ein, den Aufenthalt in der Region zu verlängern und tiefer in ihre Geschichte und Kultur einzutauchen.
Der Waldquelle Kraftquellenweg ist mehr als nur ein Wanderweg – er ist eine Reise durch die Natur- und Kulturgeschichte des Mittelburgenlandes, begleitet von literarischen Figuren, die der Region eine zusätzliche Dimension verleihen. Ein Erlebnis für alle Sinne, das in Erinnerung bleibt und Lust macht, wiederzukommen.
Druidenweg Ysperklamm Nr. 31: Mystische Wanderung durch Österreichs Waldviertel
Die Geschichte des Druidenwegs
Die Ysperklamm und der angrenzende Druidenwald im südlichen Waldviertel Niederösterreichs sind seit Jahrhunderten von Mythen und Legenden umwoben. Der Name „Druidenweg“ entstand durch die zahlreichen geheimnisvollen Steinformationen und Schalensteine, die auf keltische Kultstätten hindeuten. Die Kelten besiedelten diese Region etwa ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. und hinterließen ihre spirituellen Spuren in Form dieser rätselhaften Steinanordnungen.
Besondere Bedeutung erlangte der Druidenweg durch die Forschungsarbeit des Yspertaler Pfarrers Hans Wick, der sich jahrelang der Erkundung und Dokumentation dieser mysteriösen Naturerscheinungen widmete. Er gab vielen der markanten Felsformationen ihre heutigen Namen und trug maßgeblich dazu bei, den kulturhistorischen Wert des Druidenwegs zu bewahren und bekannt zu machen.
Der Druidenweg wurde schließlich als Wanderweg Nr. 31 zertifiziert und gehört heute zu den kulturhistorisch bedeutsamsten Wanderwegen im Waldviertel. Die Kombination aus beeindruckender Naturlandschaft und den geheimnisvollen Zeugnissen vergangener Kulturen macht den Druidenweg zu einem einzigartigen Erlebnis für Wanderer und Geschichtsinteressierte.
Die Region: Das südliche Waldviertel
Das Waldviertel, im Nordwesten Niederösterreichs gelegen, ist eine der ursprünglichsten Landschaften Österreichs. Das südliche Waldviertel, in dem sich der Druidenweg befindet, zeichnet sich durch sanfte Hügel, ausgedehnte Wälder, kristallklare Bäche und eine reiche Kulturgeschichte aus.
Das Yspertal, benannt nach dem Fluss Ysper, bildet das Herzstück dieser Region. Die Große Ysper hat über Jahrtausende die beeindruckende Ysperklamm in den Granit geschnitten und eine dramatische Schluchtlandschaft geschaffen. Das Klima im Waldviertel ist rauer als im restlichen Niederösterreich, was zur Entstehung einer einzigartigen Flora und Fauna beigetragen hat.
Die Region war bereits in prähistorischer Zeit besiedelt, wovon zahlreiche archäologische Funde zeugen. Nach den Kelten prägten die Römer, später die Babenberger und Habsburger die Geschichte des Gebiets. Im Mittelalter entstanden zahlreiche Burgen und Klöster, die teilweise noch heute zu besichtigen sind.
Das Waldviertel ist bekannt für seine traditionelle Handwerkskunst, insbesondere die Weberei und Glasbläserei. Die regionale Küche bietet Spezialitäten wie Waldviertler Mohnnudeln, Erdäpfelgerichte und Wild aus heimischen Wäldern. Der Druidenweg ist somit eingebettet in eine Region, die sowohl kulturell als auch kulinarisch viel zu bieten hat.
Der Druidenweg im Detail
Der Druidenweg Ysperklamm Nr. 31 ist ein zertifizierter Rundwanderweg im Wanderdorf Yspertal. Die Gesamtlänge beträgt etwa 12 Kilometer mit einer Gehzeit von rund 4-5 Stunden. Der Schwierigkeitsgrad ist als mittel einzustufen, wobei besonders der Aufstieg durch die Ysperklamm anspruchsvoll sein kann.
Der Weg beginnt am Eingang der Ysperklamm und führt zunächst steil durch die beeindruckende Schlucht aufwärts. Auf einer Länge von zwei Kilometern überwindet die Große Ysper hier 300 Höhenmeter. Zahlreiche Holzstege und Brücken ermöglichen eine sichere Passage durch die Klamm, während das Rauschen des Wassers und die moosbedeckten Felsen eine mystische Atmosphäre schaffen.
Nach dem Aufstieg erreicht man den ehemaligen „Ödteich“, der heute von einem dichten Fichtenwald bedeckt ist. Der Weg führt weiter zur erfrischenden Kaiserreith-Quelle, ideal für eine kurze Rast. Nach einem weiteren kleinen Anstieg gelangt man zur ersten Kultstätte, der Steinformation „Phallus mit Vulva“, die vermutlich mit Fruchtbarkeitsriten in Verbindung stand.
Der Druidenweg führt anschließend zu weiteren faszinierenden Steinformationen wie dem „Sitzenden Hund“, der „Stehenden Schale“ und dem „Äußeren“ und „Inneren Steinkreis“. Besonders beeindruckend ist die „Große Schale“, ein Schalenstein mit einer perfekt ausgeformten Vertiefung, deren Entstehung bis heute Rätsel aufgibt.
Ein weiterer Höhepunkt ist die „Wohnhöhle“, eine natürliche Felsformation, die vermutlich als Unterschlupf oder Kultstätte diente. Am „Böndel“ findet man dreizehn Schalensteine, die kreisförmig angeordnet sind und möglicherweise astronomischen Beobachtungen dienten.
Der Weg führt dann auf die andere Bergseite und beginnt abwärts zu verlaufen. Ein lohnenswerter Abstecher führt rechts durch den Hochwald zum Aussichtspunkt „Kaltenbergkreuz“, der einen herrlichen Panoramablick über das Waldviertel bietet. Vom Fuße des Kaltenberges geht es schließlich auf der Landstraße zurück zum Ausgangspunkt.
Die mystischen Steinformationen des Druidenwegs
Die geheimnisvollen Steinformationen entlang des Druidenwegs sind das Herzstück dieser Wanderung und verleihen ihr ihren einzigartigen Charakter. Viele dieser Felsgebilde tragen Namen, die ihnen vom Yspertaler Pfarrer Hans Wick gegeben wurden, der sich ihrer Erforschung widmete.
Der „Phallus mit Vulva“ ist eine der bekanntesten Formationen und stellt vermutlich ein Fruchtbarkeitssymbol dar. Die Kombination aus einem aufrecht stehenden Stein und einer schalenförmigen Vertiefung symbolisiert die männlichen und weiblichen Aspekte der Natur und könnte bei keltischen Ritualen eine zentrale Rolle gespielt haben.
Der „Sitzende Hund“ ist ein markanter Felsblock, dessen Form an einen sitzenden Hund erinnert. In vielen keltischen Mythen spielten Hunde als Begleiter in die Unterwelt eine wichtige Rolle, was dieser Formation eine besondere spirituelle Bedeutung verleihen könnte.
Die „Stehende Schale“ ist ein beeindruckender Schalenstein mit einer perfekt ausgeformten Vertiefung auf seiner Oberseite. Solche Schalensteine dienten möglicherweise rituellen Zwecken, etwa für Opfergaben oder zur Sammlung von Regenwasser für zeremonielle Waschungen.
Der „Äußere“ und „Innere Steinkreis“ sind Anordnungen von Felsblöcken, die kreisförmig platziert wurden. Steinkreise waren bei den Kelten häufig Orte für Versammlungen, religiöse Zeremonien oder astronomische Beobachtungen.
Die „Große Schale“ ist ein besonders imposanter Schalenstein mit einer auffällig großen und tiefen Vertiefung. Die präzise Ausarbeitung dieser Schale lässt auf eine bewusste menschliche Bearbeitung schließen, auch wenn natürliche Erosionsprozesse nicht ausgeschlossen werden können.
Die „Wohnhöhle“ ist eine natürliche Aushöhlung im Fels, die Schutz vor Witterung bietet. Solche Höhlen wurden von den Kelten oft als temporäre Unterkünfte oder für spirituelle Zurückgezogenheit genutzt.
Das „Böndel“ bildet den Höhepunkt der mystischen Stätten. Hier sind dreizehn Schalensteine kreisförmig auf einer Bergkuppe angeordnet. Die Zahl Dreizehn hatte in keltischen Kalendersystemen eine besondere Bedeutung, und die Anordnung könnte mit Mondzyklen oder anderen astronomischen Beobachtungen in Verbindung stehen.
Praktische Tipps für Wanderer
Beste Reisezeit
Der Druidenweg kann prinzipiell ganzjährig begangen werden, jedoch sind Frühling und Herbst besonders empfehlenswert. Im Frühling (April bis Juni) erwacht die Natur zu neuem Leben, und zahlreiche Wildblumen säumen den Weg. Der Herbst (September bis Oktober) bietet mit seiner Farbenpracht ein besonders malerisches Wandererlebnis. Im Sommer kann es sehr warm werden, während im Winter Schnee und Eis die Begehung der Ysperklamm gefährlich machen können.
Ausrüstung
Für den Druidenweg empfiehlt sich folgende Ausrüstung:
Festes Schuhwerk mit gutem Profil (Wanderschuhe)
Wetterfeste Kleidung (auch bei gutem Wetter eine Regenjacke mitnehmen)
Ausreichend Wasser (mindestens 1,5 Liter pro Person)
Proviant für unterwegs
Wanderkarte oder GPS-Gerät
Erste-Hilfe-Set
Sonnenschutz (Hut, Sonnenbrille, Sonnencreme)
Kamera für die beeindruckenden Felsformationen
Eventuell Wanderstöcke für den steilen Auf- und Abstieg
Anreise und Parkmöglichkeiten
Der Ausgangspunkt des Druidenwegs ist gut mit dem Auto erreichbar. Von Wien aus fährt man über die A1 und dann weiter über die B36 und B119 nach Yspertal. Am Eingang der Ysperklamm gibt es einen Parkplatz für Wanderer. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise etwas komplizierter, aber möglich: Mit der Bahn bis Pöchlarn und dann mit dem Bus nach Yspertal.
Einkehrmöglichkeiten
Entlang des Weges gibt es keine Einkehrmöglichkeiten, daher sollte ausreichend Proviant mitgenommen werden. Im Ort Yspertal finden sich jedoch einige gemütliche Gasthäuser, die nach der Wanderung zur Stärkung einladen, wie etwa der Gasthof „Zur Post“ oder das „Waldviertler Wirtshaus“.
Für Familien mit Kindern
Der Druidenweg ist für Familien mit wandererfahrenen Kindern ab etwa 10 Jahren geeignet. Jüngere Kinder könnten besonders beim steilen Aufstieg durch die Klamm überfordert sein. Die mystischen Steinformationen bieten jedoch einen besonderen Anreiz für Kinder, die sich für Geschichten und Legenden begeistern können.
Kulturhistorische Bedeutung des Druidenwegs
Der Druidenweg Ysperklamm Nr. 31 ist nicht nur ein Naturerlebnis, sondern auch ein Fenster in die Vergangenheit. Die Kelten, die vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis zur römischen Eroberung in dieser Region siedelten, hinterließen hier ihre spirituellen Spuren. Die Druiden waren die religiöse Elite der keltischen Gesellschaft, verantwortlich für Rituale, Heilkunde und die Weitergabe von Wissen.
Die Schalensteine entlang des Weges könnten verschiedenen Zwecken gedient haben: als Opferschalen für Gaben an die Götter, als Behältnisse für heiliges Wasser oder als astronomische Markierungen. Die kreisförmigen Steinanordnungen wie das „Böndel“ weisen Ähnlichkeiten mit anderen keltischen Kultstätten in Europa auf und könnten für Versammlungen oder Sonnenwendfeiern genutzt worden sein.
Archäologische Untersuchungen in der Region haben keltische Siedlungsspuren und Grabbeigaben zutage gefördert, die die Bedeutung des Gebiets unterstreichen. Obwohl nicht alle Steinformationen zweifelsfrei als menschengemacht identifiziert werden können – einige könnten auch durch natürliche Erosion entstanden sein – ist ihr kultureller Wert unbestritten.
Nach dem Untergang der keltischen Kultur blieben viele ihrer heiligen Orte im Volksglauben verankert. Christliche Missionare errichteten oft Kapellen oder Kreuze an solchen Stätten, um die heidnischen Kulte zu überlagern. Diese Verschmelzung von keltischen und christlichen Elementen ist typisch für das Waldviertel und spiegelt sich in lokalen Bräuchen und Legenden wider.
Der Druidenweg wurde in den letzten Jahrzehnten zunehmend als kulturhistorisches Erbe anerkannt und geschützt. Die Zertifizierung als offizieller Wanderweg trägt dazu bei, dieses Erbe zu bewahren und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Naturerlebnis Ysperklamm
Die Ysperklamm bildet den dramatischen Auftakt des Druidenwegs und ist ein beeindruckendes Naturschauspiel. Die Große Ysper hat hier über Jahrtausende eine tiefe Schlucht in den harten Granit geschnitten. Auf einer Länge von zwei Kilometern überwindet der Fluss 300 Höhenmeter und bildet dabei zahlreiche Wasserfälle und Stromschnellen.
Die Klamm ist ein einzigartiges Ökosystem mit einer bemerkenswerten Artenvielfalt. An den feuchten Felswänden gedeihen seltene Moose und Farne, die in dieser Form nur in wenigen anderen Regionen Österreichs zu finden sind. Die konstante Feuchtigkeit und das spezielle Mikroklima der Schlucht bieten ideale Bedingungen für diese spezialisierte Vegetation.
Besonders im Frühling, wenn die Schneeschmelze für reichlich Wasser sorgt, zeigt sich die Ysperklamm von ihrer spektakulärsten Seite. Das tosende Wasser hat über die Jahrhunderte glatte Felskessel, sogenannte Gumpen, ausgewaschen und bizarre Felsformationen geschaffen.
Der Weg durch die Klamm wurde mit Holzstegen und Brücken ausgebaut, die einen sicheren Durchgang ermöglichen und gleichzeitig eindrucksvolle Ausblicke auf die Wasserfälle bieten. An mehreren Stellen führt der Weg direkt am Wasser entlang, sodass man die erfrischende Kühle und das Rauschen des Flusses hautnah erleben kann.
Nach dem Aufstieg durch die Klamm öffnet sich die Landschaft und geht in den Druidenwald über. Hier dominieren Fichten und Buchen, durchsetzt mit einzelnen Eichen – Bäume, die bei den Kelten als heilig galten. Der Kontrast zwischen der engen, feuchten Schlucht und dem lichten Hochwald ist ein besonderes Erlebnis und verdeutlicht die landschaftliche Vielfalt des Druidenwegs.
Fazit: Ein Wandererlebnis für Körper und Geist
Der Druidenweg Ysperklamm Nr. 31 vereint auf einzigartige Weise Naturerlebnis, körperliche Herausforderung und kulturhistorische Entdeckungen. Die Kombination aus der dramatischen Ysperklamm, dem ruhigen Druidenwald und den geheimnisvollen Steinformationen macht diese Wanderung zu einem ganzheitlichen Erlebnis, das alle Sinne anspricht.
Für Wanderfreunde bietet der Weg mit seinen Steigungen und unterschiedlichen Terrains eine angenehme Herausforderung, die mit spektakulären Ausblicken belohnt wird. Geschichtsinteressierte können in die Welt der Kelten eintauchen und über die Bedeutung der rätselhaften Steinformationen spekulieren. Naturliebhaber kommen angesichts der vielfältigen Flora und Fauna auf ihre Kosten.
Der Druidenweg ist auch für Einsteiger in die Wanderwelt geeignet, sofern eine grundlegende Fitness vorhanden ist. Die mystische Atmosphäre und die Geschichten rund um die Kultstätten können gerade Wanderneulinge motivieren, die Anstrengungen des Aufstiegs auf sich zu nehmen.
Wer den Druidenweg Ysperklamm Nr. 31 erwandert, nimmt nicht nur Eindrücke einer beeindruckenden Landschaft mit nach Hause, sondern auch ein Stück österreichischer Kulturgeschichte. Die Verbindung von körperlicher Aktivität, Naturerlebnis und kultureller Bereicherung macht diesen Weg zu einem Highlight im südlichen Waldviertel und zu einem lohnenswerten Ziel für alle, die mehr als nur eine gewöhnliche Wanderung suchen.